Reederei Hapag-Lloyd-Eigner einigen sich auf Rettungspaket
Hannover - Gleich zwei Lasten hat TUI aktuell zu tragen. Das Kerngeschäft mit Urlaubsreisen läuft in der Wirtschaftskrise schwächer, und die Reederei Hapag-Lloyd benötigt dringend die Hilfe ihrer Eigentümer, von denen TUI den größten Anteil an den Unternehmen hält. Der Konzern wollte längst sein Engagement bei der Containerschifffahrt-Tochter stärker reduziert haben, stattdessen muss TUI mit Darlehen und Kapitalspritzen aushelfen - nun steht die nächste an.
Hapag-Lloyd: Reederei wird mit Millionen-Einlage gestützt
Foto: ddpDie Hapag-Lloyd-Eigner einigten sich am Donnerstag nach langen Verhandlungen auf eine Millionen-Hilfe. Wie TUI und das Hamburger Eigentümer-Konsortium "Albert Ballin" mitteilten, erhalte das Schifffahrtsunternehmen eine Barkapitaleinlage. Dabei dürfte es sich um rund 420 Millionen Euro handeln. Das Geld soll von den Eignern "proportional zu den Anteilsverhältnissen" eingebracht werden. Außerdem werde ein von TUI bereitgestellter Milliardenkredit in Teilen in Eigenkapital beziehungsweise eigenkapitalähnliches Kapital umgewandelt, hieß es.
Die Reederei-Eigentümer sehen damit die Voraussetzungen für eine Bürgschaft des Bundes im Volumen von 1,2 Milliarden Euro als erfüllt an. Wie die Nachrichtenagentur dpa meldete, sollten die Banken, die Hapag-Lloyd finanzieren, noch am Donnerstag in Berlin einen Antrag stellen. Der Übereinkunft müssen noch die jeweiligen Gremien der Gesellschafter und der Stadt Hamburg, die ebenfalls im Konsortium vertreten ist, zustimmen.
TUI hat aber nicht nur Probleme mit Hapag-Lloyd. Auch in anderen Sparten, wie dem Touristikgeschäft, verdiente TUI im zweiten Quartal weniger als vor einem Jahr. Für das Rumpfgeschäftsjahr bis Ende September rechnet der Konzern nun nicht mehr damit, das operative Ergebnis vom Vorjahr zu erreichen. In den fortgeführten Geschäftsbereichen zusammen blieb für die Monate April bis Juni ein Verlust von 524 Millionen Euro - nach einem Minus von 127 Millionen Euro ein Jahr zuvor.
TUI verkauft Vermögen
Um die nach wie vor angespannte Finanzlage zu entspannen, will TUI jetzt Vermögen zu Geld machen. Immobilien, Hotels und Kreuzfahrtschiffe sollen veräußert werden. Geplant ist, bis 2012 die Vermögenswerte zu verkaufen und zum größten Teil zurückzumieten. Zudem rechnet TUI damit, dass die Erlöse aus dem Hapag-Lloyd-Verkauf das Ergebnis in die Gewinnzone heben.
TUI-Chef Michael Frenzel hatte Hapag-Lloyd Anfang 2008 zum Verkauf gestellt. Zwar wurde er die Sparte nicht komplett los, aber dennoch nahm das Unternehmen 4,45 Milliarden Euro ein. Als Eigentümer von noch 43 Prozent an der Reederei muss der Konzern derzeit wieder Geld zuschießen.
Der Finanzbedarf der Reederei liegt bei rund 1,95 Milliarden Euro, 200 Millionen mehr als bislang bekannt, wie aus einer am Donnerstag in Hannover veröffentlichten Präsentation hervorging. Über die Gestaltung des Rettungsplan für Hapag-Lloyd hatte es Zwist zwischen den Eignern gegeben. Uneinigkeit herrschte darüber, mit welchem Anteil sich die einzelnen Eigentümer an der Hilfe beteiligen sollten.
Vor allem der Hamburger Logistikunternehmer Klaus-Michael Kühne - ein Mitglied des "Albert Ballin"-Konsortiums - hatte TUI unter Druck gesetzt, finanziell mehr für die Reederei zu tun. Von den jüngst bereitgestellten 330 Millionen Euro, für die Hapag-Lloyd eine 25-Prozent-Beteiligung am Containerterminal Altenwerder an seine Geldgeber abtritt, trug TUI die Hauptlast mit 215 Millionen Euro. Kühne und andere Eigentümer beteiligten sich nicht an dieser Hilfe.
Wie stark die Reederei in den Sog der Krise geraten ist, wird im TUI-Halbjahresbericht deutlich: Das Unternehmen transportierte deutlich weniger, das Warenvolumen sank um 16 Prozent. Der Umsatz ging im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um rund ein Viertel auf 2,2 Milliarden Euro zurück. Der Verlust vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen betrug 435 Millionen Euro, im ersten Halbjahr 2008 hatte Hapag-Lloyd noch einen Gewinn von 133,5 Millionen Euro eingefahren. noch positiv.