Risiko Öl Angst vor dem Domino-Effekt
Steigender Bedarf in Schwellenländern wie China, politische Unsicherheiten in wichtigen Förderländern des Nahen und Mittleren Ostens sowie das Versäumnis der Ölindustrie, Raffinerie-Kapazitäten rechtzeitig auszuweiten, ergeben einen brisanten Mix.
Der Energiesektor ist nach Einschätzung des Branchenexperten Edward Morse "dysfunktional": Er werde von den Regeln des freien Welthandels ausgenommen und häufig für außenpolitische Zwecke missbraucht. Auch das Förderkartell Opec kommt bei Morse nicht gut weg: 25 Jahre lang hätten es die Ölförderstaaten versäumt, in bessere Förderanlagen zu investieren. Deshalb könne die Versorgung mit der steigenden Nachfrage nicht mehr Schritt halten.
Dennoch hat sich die Weltwirtschaft seit 2004 trotz des rasanten Preisanstiegs bemerkenswert robust gezeigt. EU-Energiekommissar Andris Piebalgs hält sogar einen Ölpreis von 100 Dollar je Barrel für verkraftbar. Chancen für eine Beruhigung am Ölmarkt liegen nach Ansicht der meisten Experten in verbesserter Technologie sowie der Fähigkeit, politische Konflikte zu entschärfen.
Steigende Ölpreise bergen ein doppeltes Risiko, da sie die Inflation anheizen und Notenbanken unter Zugzwang setzen. Weitere Zinserhöhungen der US-Notenbank werden als weltweite Konjunkturbremse gesehen - teures Öl kann also einen Dominoeffekt auslösen.