Ruhrkohle Melchior soll Chef der RAG-Stiftung werden
Hamburg/München - Danach soll der 65-jährige Melchior noch heute auf dem Kohlegipfel in Berlin zum neuen Chef der Stiftung bestimmt werden. Das meldete die "Süddeutsche Zeitung" unter Berufung auf politische Kreise. Der Kohlegipfel besteht aus Kanzleramtsminister Thomas de Maiziere, Bundeswirtschaftsminister Peer Steinbrück, Wirtschaftsminister Michael Glos, den Ministerpräsidenten des Saarlands und Nordrhein-Westfalens (NRW) sowie dem RAG-Chef Werner Müller.
Melchior gelte als geeignet für den Posten, weil er ein Mann aus der Wirtschaft und kein ehemaliger Politiker sei, heißt es der SZ zufolge in NRW. Der promovierte Betriebswirtschaftler sei ein nüchterner Entscheider, der keine Ambitionen habe, im Rampenlicht zu stehen. Melchior kam 1979 zur Ruhrkohle, und war von 1995 bis 2004 Vorstandschef der Kraftwerks-Tochter Steag .
Mit der Einigung auf Melchior geht ein monatelanges politisches Tauziehen um den Vorsitz zu Ende. Ursprünglich hatte sich RAG-Chef Müller selbst für den Vorsitz ins Gespräch gebracht, war aber an den Vorbehalten von NRW-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) gescheitert. Müller war kurze Zeit Wirtschaftsminister im ersten Kabinett von Ex-Kanzler Gerhard Schröder (SPD). Außerdem kritisierte Rüttgers die mangelnden Informationen der Landesregierung über den geplanten Börsengang der RAG. Müller soll trotzdem den Vorstandsvorsitz bei der RAG behalten.
Die Stiftung soll den geplanten Börsengang des Konzerns durchführen. Dabei sollen die "weißen" Sparten wie Chemie, Immobilien und Energie, die profitabel arbeiten, unter dem Arbeitstitel NewCo ausgegliedert werden. Mit dem Erlös des Börsenganges sollen dann die Folgekosten des Steinkohlebergbaus bezahlt werden - diesen Ausstieg soll die Kohlestiftung koordinieren.
Aus Sicht vieler Manager war der Vorsitz der Kohlestiftung wenig reizvoll. Denn die eigentliche Macht liegt nach der Stiftungsatzung beim Kuratorium, dessen Mitglieder vom Bund, den Kohleländern und der Gewerkschaft ernannt werden. Außerdem soll das Salär - zumindest aus Sicht von Top-Managern - eher bescheiden ausfallen: Der Stiftungschef soll laut "Handelsblatt" nicht mehr verdienen als der Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen.
sam