Ryanair: Angriff aufs Herz der Lufthansa - DER SPIEGEL
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Ryanair Angriff aufs Herz der Lufthansa

Gelästert hat Ryanair-Chef Michael O'Leary schon lange über die Schwächen des großen Konkurrenten Lufthansa, nun lässt er Taten folgen. Der irische Billigflieger versechsfacht die Zahl seiner Flüge vom Regionalflughafen Hahn bei Frankfurt.
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Hahn - Der frühere Militärflughafen im Hunsrück solle damit zum dritten europäischen Drehkreuz der Iren nach Dublin und Charleroi ausgebaut werden, kündigte Ryanair am Donnerstag an. Vom 14. Februar 2002 an sollen von Hahn aus täglich 30 Flüge in zehn europäische Städte starten: Mailand, Pisa, Pescara, London, Glasgow, Bournemouth, Shannon, Montpellier, Perpignan und Oslo.

Die Gesellschaft rechnet auf diesen Strecken mit 1,5 Millionen neuen Passagieren in den ersten zwölf Monaten. Bisher hat Ryanair den Flughafen mit fünf Flügen pro Tag quasi getestet. Mit der Ausweitung entstehen nach Firmenangaben mehr als 200 neue Arbeitsplätze.

Der Low-Budget-Flieger zielt mit seinem Vorhaben auf das Herz der Lufthansa, die sechzig Kilometer östlich von Hahn, am Frankfurter Flughafen, ihr wichtigstes Drehkreuz betreibt. Der Flughafen Hahn gehört seit 1998 zum Betreiber des Frankfurter Flughafens, Fraport, der Hahn zu einem Zentrum für Billig-Angebote ausbauen und so den Erfolg des Airports Stansted bei London imitieren möchte.

Ryanair folgt mit der Entscheidung für Hahn der bisherigen Strategie, wenig ausgelastete Flughäfen in der Nähe von bedeutenden Flughäfen anzufliegen. Das Ein- und Auschecken nehme wesentlich weniger Zeit in Anspruch. Außerdem ließen sich die Kosten niedrig halten, hieß es.

Die Aktien der Lufthansa   verloren am Mittag in Frankfurter Aktienhandel deutlich an Wert. Mit einem Abschlag von über drei Prozent gegenüber dem Vortag führte Lufthansa die Verliererliste an. Zuvor war bekannt geworden, dass die Lufthansa nach dem 11. September nur mit sehr viel geringeren staatlichen Hilfen rechnen kann als erwartet. Händler begründeten den Wertverfall des Kranich-Papiers aber auch mit den Plänen des Billig-Konkurrenten.

Der Lufthansa ist es bisher nicht gelungen, Ryanair vom deutschen Markt zu vertreiben. So bietet Ryanair bisher einen erfolgreichen Flugservice von Stanstedt nach Lübeck an, der mit teureren Flügen von und nach Hamburg konkurriert.

Ryanair und die anderen Billig-Airlines wie Go und EasyJet konnten inmitten der allgemeinen Luftfahrtkrise jüngst mit positiven Quartalszahlen aufwarten. Branchenexperten gehen davon aus, dass das Dreigespann weiter Marktanteile gewinnen wird und vom Kollaps der Nationalfluglinien Sabena und Swissair profitiert.

Hessen und Rheinland-Pfalz haben derweil den Bundeskanzler um die Unterstützung des Bundes bei der Verkehrserschließung des Flughafens Hahn gebeten. Der Airport sei zu einem wichtigen Zentrum der wirtschaftlichen Entwicklung geworden und habe ein enormes Wachstumspotenzial, betonten die Ministerpräsidenten der beiden Länder, Kurt Beck (SPD) und Roland Koch (CDU), in einem gemeinsamen Brief an Gerhard Schröder.

Der Flughafen Frankfurt-Main stoße hingegen an seine Kapazitätsgrenzen, heißt es in dem am Donnerstag veröffentlichten Schreiben. Eine Lösung könne in der Kooperation beider Flughäfen liegen, deren Lage- und Infrastrukturvorteile sich ergänzten.

Der notwendige Straßenausbau zwischen Frankfurt und Hahn im Hunsrück sollte nach Ansicht der beiden Regierungschefs bis zum Spätsommer 2006 sichergestellt werden. Für die Anbindung des Flughafens Frankfurt-Hahn sei auch eine leistungsfähige Schienenverbindung nötig. Zwischen den beiden Bundesländern bestehe Übereinstimmung, dass möglichst Fahrzeiten von 60 Minuten zwischen der Rhein-Main-Region und dem Flughafen Hahn erreicht werden sollten. Beide Länder würden es begrüßen, wenn die Deutsche Bahn als Eigentümerin der Strecke die notwendige Investitionen vornehme.

Beck und Koch verweisen auf die erfolgreiche Entwicklung des Flughafens Frankfurt-Hahn. In nur vier Jahren sei die Grenze von 500.000 Flugreisenden jährlich überschritten worden. In der Fracht liege der Flugplatz in der Spitzengruppe der deutschen Flughäfen. Etwa 1650 Menschen hätten dort ihren Arbeitsplatz. Das seien mehr als doppelt so viele wie zur Zeit der militärischen Nutzung des Flugplatzes Hahn.