Sabena Belgien hilft mit Milliarden
Brüssel - Es ist die schlimmste Krise in der 78-jährigen Geschichte der Sabena. Der Staatskredit soll dem Unternehmen jetzt aus der Misere helfen. Premierminister Guy Verhofstadt sagte am Mittwoch in Brüssel: "Für die belgische Fluggesellschaft eröffnen sich neue Perspektiven." Der Flugverkehr lief unterdessen unbehindert weiter.
Mit dem befristeten Staatsdarlehen soll die Gesellschaft in die Lage versetzt werden, während eines Monats ihre Aktivitäten fortzuführen. Die Finanzspritze muss von der EU-Kommission noch gebilligt werden.
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Sabena beantragte beim Brüsseler Handelsgericht Gläubigerschutz. Dabei wird die Airline vorübergehend von ihren Zahlungsverpflichtungen befreit. Ein Sanierungsplan muss zu späterer Zeit von den Gläubigern gebilligt werden.
Falls dies nicht gelingen sollte, drohe ein Konkurs, sagten Branchenbeobachter. Die Muttergesellschaft Swissair hatte nach ihrem Kollaps zu Wochenbeginn eine fest vereinbarte Zahlung von 135 Millionen Euro (264 Millionen Mark) nicht geleistet. Der belgische Staat hält 50,5 Prozent der Sabena, Swissair die restlichen 49,5 Prozent. Der Gläubigerschutz war bereits in der Schweiz für Teile der zusammengebrochenen SwissairGroup gewählt worden.
Sabena versicherte, sie habe derzeit ausreichend Geld, um ihre Aktivitäten fortzusetzen. Der Gläubigerschutz sei beantragt worden, um die Zukunft des Unternehmens und das Personal abzusichern. "Für die Angestellten geht die Arbeitsbeziehung weiter", schrieb die Gesellschaft.
Die EU-Kommission muss auch so genannte Rettungshilfen für Unternehmen in der EU genehmigen. Ihr lagen zunächst keine näheren Informationen der belgischen Regierung vor. Die EU-Kommission sei aber in ständigen Kontakt mit den belgischen Behörden. Sie verfolgt im Airline-Sektor überlicherweise einen restriktiven Kurs.
Spitzenvertreter der belgischen Regierung und des Unternehmens hatten seit Dienstag fieberhaft versucht versucht, einen Ausweg aus der bedrohlichen Schieflage der Airline zu finden. Die geplanten Millionenzahlungen aus Zürich waren Teil eines Rekapitalisierungsplanes von 430 Millionen Euro; dieses Vorhaben ist nun hinfällig geworden.
Ein mehrtägiger Pilotenstreik hatte bei der Fluggesellschaft mit etwa 500 Millionen belgischen Francs zu Buche geschlagen, erfuhr der Rundfunksender RTBF. Die Piloten hatten die Aktionen am Montagabend ausgesetzt. Ein Referendum unter den rund 12.000 Beschäftigten der Gesellschaft ergab, dass 57 Prozent den Sanierungsplan des Vorstandsvorsitzenden Christoph Müller akzeptieren. Laut Umbauplan sollen etwa 1400 Stellen wegfallen. Beobachter befürchten aber, dass nach dem Zusammenbruch der Swissair härtere Einschnitte bei der Sabena nötig sind.
Die Verluste der Sabena beliefen sich im ersten Halbjahr 2001 trotz zahlreicher Sparprogramme auf 138,9 Millionen Euro. Das Unternehmen schreibt seit über 40 Jahren rote Zahlen, nur 1998 gab es einen Gewinn.