Sabena Konkursantrag am Donnerstag?
Brüssel - Die in Brüssel erscheinende Tageszeitung "De Standaard" will von namentlich nicht genannten Insidern erfahren haben, dass die belgische Regierung und die Sabena-Führung die Suche nach neuen Investoren mittlerweile für hoffnungslos halten. Schon am Mittwoch oder Donnerstag wolle die Sabena beschließen, offiziell Konkursantrag zu stellen.
Auslöser der akuten Krise ist der Zusammenbruch der Swissair, die 49,5 Prozent der Sabena-Anteile hält. Dass die belgische Fluglinie einen Schuldenberg in Höhe von 4,3 Milliarden Mark Schulden angehäuft habe, erleichtere es nicht gerade, einen Ersatz-Investor zu finden, kommentiert die Zeitung.
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Aus dem Sabena-Zentrale hieß es offiziell, man werde zu dem Bericht keine Stellung nehmen. Gefragt, ob die Meldung haltlos sei, antwortete Sabena-Sprecher Wilfried Remans aber: "Das habe ich nicht gesagt." Auch aus dem belgischen Ministerium für Öffentliche Aufgaben, das für die Sabena zuständig ist, kam kein direktes Dementi.
Seit 1956 nur einmal Gewinne
Jan Coolbrandt, der Vorsitzende der Gewerkschaft, die das Sabena-Bodenpersonal vertritt, nannte die "Standaard"-Meldung realistisch. Er glaube allerdings nicht, dass der Bankrott schon diese Woche erklärt werde, denn bisher seien die Gewerkschaften nicht hinzugezogen worden.
Derzeit hat die Sabena, die seit ihrer Gründung 1956 nur in einem einzigen Geschäftsjahr einen Gewinn erzielte, noch 12.000 Beschäftigte. Sie hatten sich wegen eines im August angekündigten Sanierungsprogramms bereits auf massive Entlassungen eingestellt - nun aber dürfte es noch schlimmer kommen. Schon am 5. Oktober hatte die Sabena Gläubigerschutz beantragt.
Staatliches Rettungsprogramm unwahrscheinlich
Die belgische Regierung, die den Rest der Sabena-Anteile besitzt, hatte Anfang Oktober eine Übergangshilfe von 244 Millionen Mark bewilligt, damit die Sabena-Flugzeuge zumindest in diesem Monat noch abheben können. Die EU-Kommission hat diese Hilfe inzwischen für zulässig erklärt.
Während das Fluggeschäft der Swissair zu großen Teilen weitergeführt werden soll, nachdem allein der Schweizer Bund 2,7 Milliarden Mark an Darlehen und Hilfszahlungen bereitgestellt hat, gilt eine ähnliche staatliche Rettungsaktion in Belgien aber als unwahrscheinlich.
"Niemand wird Geld versenken
Die EU hat bereits Kritik am Schweizer Hilfsprogramm geübt und beschlossen und die staatliche Hilfe für Fluglinien auf den Ausgleich von Umsatzeinbrüchen beschränkt, die wegen der Schließung des US-Luftraumes nach den Terroranschlägen entstanden.
Auch die Privatwirtschaft, die sich in Schweiz massiv für den Fortbestand der nationalen Fluglinie engagiert, lässt in Belgien wenig Bereitschaft erkennen, die Sabena in der Luft zu halten. Der Wirtschaftsvorstand der belgischen Arbeitgebervereinigung, Baudouin Velghe, jedenfalls gab die Einschätzung ab: "Ich kann mir angesichts der momentanen Wirtschaftslage nicht vorstellen, dass irgendein Vorstand beschließt, Geld in der Sabena zu versenken".