Schaeffler-Kauf EU-Kommission genehmigt Conti-Übernahme
Brüssel - Die fränkische Schaeffler-Gruppe darf den Autozulieferer Continental für mehr als zehn Milliarden Euro übernehmen. Das entschied die EU-Kommission am Freitag in Brüssel nach einer vierwöchigen Wettbewerbsuntersuchung. Conti-Aktien legten nach Bekanntgabe der Entscheidung zu. Sie gewannen im nachbörslichen Handel zeitweilig zweistellig.
Die freie Konkurrenz in der EU werde nicht gestört, berichteten die EU-Wettbewerbshüter. "Die Tätigkeiten der beiden Parteien überschneiden sich nicht." Die Unternehmen seien nur in einem geringen Maße verbunden. Schaeffler stelle Wälzlager her, die in Conti-Fahrzeugteilen verarbeitet werden. Der neue Verbund könne Konkurrenten nicht beeinträchtigen, da es mehrere große Hersteller von Wälzlagern gebe.
Nach der EU-Genehmigung will der Schaeffler-Konzern den Autozulieferer Conti schnell übernehmen. Das Angebot an die Aktionäre der Continental AG über 75 Euro je Aktie werde jetzt zügig vollzogen, voraussichtlich am 8. Januar, teilte Schaeffler am Freitag in Herzogenaurach mit.
Vorgesehen ist vorerst nur eine Teilübernahme. Laut "Süddeutscher Zeitung" fordern einige Banken Schaeffler allerdings zu einer Komplettübernahme auf. Dazu müsste die Investorenvereinbarung aufgelöst werden, die dem fränkischen Unternehmen vier Jahre lang maximal 49,99 Prozent an Conti zubilligt.
Allerdings dürfte Schaeffler an einer höheren Beteiligung kaum Interesse haben. Dann nämlich müsste das fränkische Unternehmen eventuell für Schulden aufkommen, die Continental bei der Übernahme der Siemens-Tochter VDO angehäuft hat. Conti hat dafür Kredite in Höhe von rund elf Milliarden Euro aufgenommen.
Continental hatte seinerseits vor der Übernahme für gut elf Milliarden Euro die Siemens-Autozuliefertochter VDO gekauft und verhandelt derzeit über eine Umschuldung. "Beide Unternehmen sind im Grunde überschuldet", zitierte die Zeitung aus Finanzkreisen. An der Einmischung von Schaeffler in die Kreditverhandlungen von Conti hatte sich ein Streit zwischen den beiden Managements entzündet.
So viel Geld dürfte Schaeffler aber nicht haben. Nach Angaben des "Handelsblatt" benötigt das Familienunternehmen selbst kurzfristig eine Eigenkapitalzufuhr von vier bis sieben Milliarden Euro. Schaeffler wollte den Bericht nicht kommentieren, sieht die planmäßige Übernahme des Autozulieferers aber nach eigenen Angaben nicht in Gefahr. "Wir werden die Übernahme Anfang Januar vollziehen", sagte ein Firmensprecher.
Schaeffler hatte sich im Spätsommer eine Mehrheit an Conti gesichert und den Aktionären ein Angebot von 75 Euro pro Aktie unterbreitet. Dem fränkischen Konzern wurden rund 82 Prozent der Conti-Aktien angedient. Mit den eigenen acht Prozent ist Schaeffler damit fast Alleinaktionär.
Laut Schaeffler gebe es derzeit Gespräche mit den zuständigen Banken über die Weiterplazierung der zu viel gehaltenen Conti-Anteile. Nach Abschluss der Übernahme darf Schaeffler maximal 49,99 Prozent an dem Hannoveraner Unternehmen halten - so ist es in den Übernahmevereinbarungen festgelegt.
Der Kurs der Conti-Aktie ist in den letzten Wochen massiv eingebrochen. Da einige Anleger am Erfolg der Übernahme zweifeln, werden die bereits angebotenen Aktien derzeit auch weit unterhalb des Angebotspreises gehandelt. Zuletzt kosteten diese rund 60 Euro. Schaeffler nutzte dies in den vergangenen Wochen und Monaten. Das Unternehmen kaufte zahlreiche dieser Papiere und erhöhte den Anteil an Continental somit bereits auf 22 Prozent. Händler werteten diese Zukäufe als Beleg, dass die Übernahme über die Bühne gehen wird.