Schifffahrt TUI verkauft Hapag-Lloyd an Konsortium
Hamburg - Der Aufsichtsrat des Tourismuskonzerns TUI hat am Sonntag dem Verkauf seiner Anteile der Hapag-Lloyd AG an eine Tochtergesellschaft des Hamburger Bieterkonsortiums Albert Ballin KG für 4,45 Milliarden Euro zugestimmt.
Gleichzeitig billigte das Aufsichtsgremium den Erwerb einer Beteiligung von 33,33 Prozent für einen Kaufpreis von 700 Millionen Euro an der neuen Gesellschaft, wie die TUI in Hannover mitteilte. Der Verkauf steht unter dem Vorbehalt der Zustimmung durch die Kartellbehörden.
Das Konsortium begrüßte die Entscheidung des Aufsichtsrats und kündigte an, die Reederei Hapag-Lloyd weiter zu entwickeln und ihren Marktanteil auszubauen. "Mit dem Erwerb haben wir unser Ziel erreicht, Hapag-Lloyd als eigenständige Reederei mit Sitz in Hamburg zu erhalten", sagte Christian Olearius, Sprecher der Geschäftsführung des Bankhauses Warburg. "Hapag-Lloyd kann nun unabhängig von Konzerninteressen agieren."
Der frühere Finanzsenator Wolfgang Peiner sagte: "Uns ist es gelungen, im Bieterkonsortium eine glückliche Verbindung privatwirtschaftlicher und öffentlicher Interessen herzustellen. Die Reederei ist ein attraktives Investment und die Hansestadt Hamburg erlangt Sicherheit in standortpolitischen Fragen. Zugleich ist der Verkauf eine Lösung im Sinne der Arbeitnehmer von Hapag-Lloyd."
Der TUI-Aufsichtsrat stimmt ferner zu, dass die TUI-Aktionäre nach dem Verkauf eine angemessene Sonderdividende erhalten. Die Höhe der Ausschüttung für das Geschäftsjahr 2008 werde im Rahmen der Aufstellung des Jahresabschlusses festgelegt.
Die sich nach dem Verkauf ergebende starke Liquiditäts- und Finanzsituation des Konzerns eröffne Investitionsmöglichkeiten für den weiteren Ausbau des touristischen Geschäfts, teilte der Konzern weiter mit. In diesem Zusammenhang werde als eine Option auch die Übernahme der ausstehenden Anteile an der TUI Travel PLC geprüft.
Kühne und sein Konsortium waren zuletzt der einzige Bieter für Hapag-Lloyd. Ihr Konkurrent NOL aus Singapur hatte sich ohne eindeutige Begründung zurückgezogen. Die TUI bleibt über ein Gemeinschaftsunternehmen mit der Hamburger Bietergruppe mit einem Drittel an Hapag-Lloyd beteiligt.
"Wir haben ein Angebot abgegeben, das nach unserer Einschätzung Hapag-Lloyd voll bewertet hat und die herausfordernden Marktbedingungen in der Container-Schifffahrt berücksichtigt", sagte NOL-Chef Ron Widdows. NOL werde nun alle Energie darauf konzentrieren, gut durch den Branchenabschwung zu kommen.
Die Gruppe um Kühne war als "Hamburger Lösung" ins Leben gerufen worden, um einen Verkauf der Traditionsreederei ins Ausland zu verhindern. Branchenexperten waren stets davon ausgegangen, dass NOL einen höheren Preis bieten kann als die Hamburger Investoren, da die Reederei große Synergien erzielen könnte. TUI wollte sich nur dann von Hapag trennen, wenn das Unternehmen einen "angemessenen" Preis erhält.
jdl/AP/ddp/Reuters/dpa