Schwacher Euro Duisenberg steht zur Debatte
Hamburg - Bereits am Montag war Duisenberg von Marktteilnehmern für sein offenherziges Interview in der "Times" kritisiert worden. Inzwischen sind die Stimmen so laut, dass ein Sprecher der Europäischen Zentralbank (EZB) sich genötigt sah, den Rücktritt Duisenbergs zu dementieren. Der Präsident denke nicht im geringsten über einen Rücktritt nach, hieß es in scharfen Worten. Auch die EU-Kommission sprach dem obersten Währungshüter ihr "volles Vertrauen" aus.
Europäische Politiker wollten sich hingegen nicht äußern. Zu Personalien nehme er keine Stellung, sagte der französische Finanzminister Laurent Fabius bei einem Treffen der EU-Finanzminister in Luxemburg. Auch sein deutscher Kollege Hans Eichel hüllte sich in Schweigen. Sie wiederholten nur gebetsmühlenartig, dass die Konjunktur der Eurozone stärker sei, als der Euro im Augenblick vermuten lässt.
Die EZB setzte den Referenzkurs des Euro auf 0,8496 US-Dollar fest - der niedrigste Stand seit drei Wochen. Zuletzt notierte die Währung bei 0,8494 Dollar. Das Allzeittief liegt bei 0,8440 Dollar.
Duisenberg hatte den neuerlichen Kursrutsch unter die 85-Cent-Marke mit den Worten ausgelöst, dass eine Intervention angesichts der Nahost-Krise derzeit "kaum zu verteidigen" sei. Damit hatte er die Todsünde eines Notenbankers begangen: "Interventionen sind nur effektiv, wenn man nicht darüber spricht", sagte Ernst Welteke, der Chef der Bundesbank, in der "Financial Times".
Jim O'Neill von Goldman Sachs ging noch weiter: "Herr Duisenberg hat die Kardinalregel bei Interventionen gebrochen: 'Diskutiere Deine Strategien niemals in der Öffentlichkeit.' Seine Kommentare sind erstaunlich inkompetent."
In Frankreich wurde man noch deutlicher: "Wim Duisenberg, Euro-Tölpel", titelte die linksliberale Zeitung "Liberation". Auch von Inkompetenz und Dummheit war die Rede. Den Franzosen kommt die Kritik an Duisenberg nicht ungelegen: Denn sie bringt ihren Landsmann Jean-Claude Trichet ins Rampenlicht, der nach einer offiziell nie bestätigten Übereinkunft Duisenberg vor Ablauf der achtjährigen Amtszeit beerben soll. Dabei hat Trichet selbst ein Image-Problem, immerhin ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen ihn wegen seiner Rolle im "Bankenskandal des Jahrhunderts", der den französischen Staat rund 60 Milliarden Mark gekostet hat.