Schimmelpilz-Skandal Behörden geben Entwarnung
Tonnenweise vergiftetes Tierfutter war in den Kreislauf gelangt: Jetzt gibt es Entwarnung
Foto: dapdHannover/Düsseldorf - Tausende Tonnen vergifteter Mais waren von Serbien nach Deutschland gelangt und in die Tierfutterproduktion gegangen. Bauern hatten das mit dem Schimmelpilz belastete Futter verwendet. Allein in Niedersachsen wurden damit 4467 Betriebe beliefert. Weil der Mais auch an Rinder verfüttert wurde, gelangte das Pilzgift in die Milch.
Nun haben die Behörden in Nordrhein-Westfalen alle Einschränkungen für die betroffenen Betriebe aufgehoben. Das teilte das Verbraucherschutzministerium am Dienstag mit. Es verwies auf eine Einschätzung des Bundesinstituts für Risikobewertung, wonach eine Gefährdung der Verbraucher unwahrscheinlich ist. Selbst bei einem starken Befall des Futters mit dem Schimmelpilz Aflatoxin würden die Höchstmengen in Eiern, Lebern und Nieren nicht überschritten. Lebern und Nieren dürfen laut NRW-Ministerium jetzt wieder vermarktet werden, auch wurden die Sperren für 16 Milchviehbetriebe in NRW aufgehoben, die mit dem Schimmel-Futter beliefert worden waren.
Auch in Niedersachsen können alle betroffenen Betriebe wieder Fleisch und Milch liefern. "Das sind gute Nachrichten für die niedersächsischen Landwirte", sagte Landwirtschaftsminister Christian Meyer (Grüne) in Hannover. In Sachsen-Anhalt können 10 der bislang gesperrten 22 Putenmastbetriebe wieder normal arbeiten.
Experten des Niedersächsischen Landesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (Laves) in Oldenburg untersuchten Hunderte von Milchproben und stichprobenartig auch Lebern und Nieren von Schlachttieren auf zu hohe Werte des Schimmelgiftes. Der hochgiftige Schimmelpilz lagere sich vor allem in Leber und Niere der Tiere ab, die bei der Schlachtung auch verwertet würden, teilte das Ministerium in Düsseldorf mit.
Bekanntgeworden war die Belastung, nachdem ein Landwirt im Landkreis Leer Anfang Februar aufgefallen war, dass in der Milch seiner Kühe Aflatoxin-Grenzwerte überschritten waren. Sie hatten zuvor das verseuchte Futter gefressen.
Bei der Suche nach Schuldigen wurde der Ruf nach mehr und wirkungsvolleren Kontrollen laut. Der Geschäftsführer des Deutschen Verbandes Tiernahrung, Peter Radewahn, sagte im ZDF-Morgenmagazin, staatliche Kontrollstellen und firmeneigene Kontrolleure müssten sich jetzt zusammensetzen. "Wir müssen aus den Fällen lernen", sagte Radewahn. Im aktuellen Fall habe es Stichproben gegeben. Die ersten Ergebnisse hätten offensichtlich unter den Grenzwerten gelegen. Er gehe davon aus, dass nach einer Warnung des Bundeslandwirtschaftsministeriums vor befallenem Mais im vergangenen Herbst aus Südost-Europa noch mehr Proben genommen worden seien.
Der Ministeriumssprecher in Düsseldorf sagte, bei der Entscheidung, ob ein Betrieb schlachten darf, spiele unter anderem eine Rolle, wie stark das verdächtige Futter mit anderem vermischt wurde oder in welcher Mastphase das Tier damit gefüttert wurde. Wenn Futtermittelproben unbelastet seien, könne das Schlachtverbot im Einzelfall auch wieder aufgehoben werden.
Manfred Nüssel, der Präsident des Deutschen Raiffeisenverbandes (DRV), forderte in Münster eine Ursachenanalyse der jüngsten Vorfälle. Neben den Eigenkontrollen der Unternehmen müsse die Politik auf Bundes- und Landesebene die Effizienz ihrer Kontrollen verbessern. Kritik an den Einfuhren von Futtermitteln wies er zurück. "Wir brauchen tragfähige Lösungen für eine sichere, kostengünstige Rohstoffversorgung", erklärte der DRV-Präsident. Der Verband vertritt die Interessen der genossenschaftlich organisierten Unternehmen der Agrar- und Ernährungswirtschaft.