Service-Check Wie fair ist Ihr Gasversorger?
Hamburg/Heidelberg - Der Gasmarkt befreit sich immer stärker vom Einfluss der Großkonzerne. Für Verbraucher ist das zunächst ein Vorteil: Wer vom Standardtarif seines Versorgers auf Spezialangebote umsteigt, kann bisweilen mehrere hundert Euro jährlich sparen.
Doch bei der Jagd nach günstigen Gastarifen ist Vorsicht geboten: Wie lang ist die Vertragslaufzeit? Wird jährlich oder monatlich abgerechnet? Und wie ist es um den Service des Anbieters bestellt? Beantwortet die Hotline meine Fragen? Macht die Web-Seite Vertragskonditionen transparent?
"Guter Service kostet Geld", sagt Peter Reese, Leiter Energiewirtschaft beim unabhängigen Verbraucherportal Verivox . "Entsprechend besteht die Gefahr, dass Versorger Abstriche machen, um mit Niedrigpreisen aufzutrumpfen." Für den Kunden aber könne mieser Service letztlich ebenso belastend sein wie zu hohe Preise.
Verivox hat deshalb erstmals deutschlandweit 100 Gasversorger nicht nur auf Preise, sondern auch auf ihre Servicequalität untersucht - und eine Liste der Top 100 erstellt. Das Service-Ranking, das ab sofort jährlich durchgeführt werden soll, macht laut Reese Mut: Die Note ungenügend musste Verivox nicht vergeben, die Note mangelhaft nur ein einziges Mal - für die Vertragskonditionen des Tarifs "2 Plus" der SpreeGas Gesellschaft für Gasversorgung und Energiedienstleistung mbH.
Verivox präsentiert die Ergebnisse der umfangreichen Erhebung diesen Montag auf einer Pressekonferenz. SPIEGEL ONLINE zeigt die Top 100 exklusiv vorab.
Deutschlands billigste und kundenfreundlichste Gasversorger im Vergleich. Klicken Sie auf die roten Flächen, um die Tabellen angezeigt zu bekommen!
- Top 100: Gesamtergebnis
- Top 100: Preise
- Top 100: Service
Das Verfahren, das Verivox zur Service-Bewertung einsetzt, ist erprobt: Es wird bereits seit 2005 auf den Strommarkt angewendet und wurde nun erstmals auf den Gasmarkt übertragen. Das Verbraucherportal unterscheidet bei der Bewertung nach Vertragsgestaltung und anderen Serviceleistungen. Die Ergebnisse werden in Form von Gasflammen gekennzeichnet (siehe Legende in den Tabellen).
Bei der Vertragsgestaltung wurden Faktoren wie Vertragslaufzeiten, Kündigungsfristen, Preisgarantien und Zahlungsweisen untersucht und bewertet. Zur Bewertung der Servicequalität wurden die Servicezeiten und Kosten der Hotline bewertet. "Wir haben etwa über drei Monate hinweg den Telefonservice eines jeden Anbieters mit verdeckten Anrufen getestet", sagt Reese. Erreichbarkeit und die Qualität der Antworten seien pro Anbieter im Schnitt zehnmal getestet worden. Darüber hinaus wurden die Web-Seiten der Gasversorger auf Verfügbarkeit und Qualität von Informationen sowie Hilfen und Interaktionsmöglichkeiten untersucht.
Die Ergebnisse wurden mit einem fiktiven idealen Gastarif abgeglichen, der der vollen Punktezahl entspricht. Ein solcher Tarif hätte:
- eine kurze Erstvertragslaufzeit mit automatischer Verlängerung,
- eine monatliche Kündigungsfrist und
- eine möglichst lange Preisgarantie.
- Über Preisänderungen werden Kunden so früh wie möglich informiert, gleichgültig, ob es sich um Preissenkungen oder -erhöhungen handelt.
- Die monatlichen Abschläge können wahlweise per Überweisung oder Lastschrift getätigt werden.
- Für Rückfragen steht eine kompetente Hotline bereit, die höchstens zum Ortstarif abgerechnet wird.
- Dazu gibt es einen Online-Service, der die Verwaltung der Zählerstände und der Rechnungsadresse umfasst und den Verbrauchern detaillierten Zugriff auf Vertrags-, Rechnungs- und Verbrauchsinformationen ermöglicht.
Laut Baden-Württembergs Verbraucherminister Peter Hauk dürfte die Servicequalität der Anbieter sich mit zunehmendem Wettbewerb weiter verbessern. "Die Liberalisierung des Gasmarkts steht noch an ihrem Anfang", sagt er. "Mehr als die Hälfte der Bundesbürger nutzen immer noch den Grundversorgungstarif ihres Anbieters." Vielen sei gar nicht bewusst, dass sie bei einem Anbieterwechsel Hunderte Euro sparen können.
Um die Transparenz auf dem Gasmarkt zu fördern, macht sich Hauk für die Förderung des dritten Energiepaketes stark und arbeitet an einem Gesetzentwurf für eine Schlichtungsstelle. Diese soll Verbrauchern dabei helfen, ihre Rechte durchzusetzen, unter anderem, wenn Unstimmigkeiten bei Abschlagszahlungen auftauschen, wenn sie Entschädigungen bei Versorgungstörungen einfordern - oder wenn sie sich gegen Verschleppung beim Anbieterwechsel wehren müssen.