Sicherheit auf Raten - DER SPIEGEL
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VERBRAUCHER Sicherheit auf Raten

Mit einer Versicherung gegen Arbeitslosigkeit wollen einige Konzerne ihren Kunden die Angst um den Job nehmen - und den Absatz ihrer Produkte anheizen.
• aus DER SPIEGEL 50/2002
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Der Job ist weg, der Arbeitslose zum Äußersten entschlossen: Um das auf Raten gekaufte, jetzt aber kaum mehr bezahlbare Auto behalten zu können, verschluckt er kurzerhand den Autoschlüssel.

So weit wie in der Werbung von VW ("Wir schenken Ihnen eine Arbeitslosigkeitsversicherung - damit Sie sich von Ihrem Volkswagen nicht mehr trennen müssen") wird kein Kunde gehen. Deren tatsächliches Verhalten macht den Konzernen jedoch noch viel mehr Sorge: Aus Angst vor dem Jobverlust schaffen sie sich das begehrte Produkt erst gar nicht an.

Die Konsumverweigerung trifft die Autohersteller besonders hart. Seit mehr als zwei Jahren verkaufen sie in Deutschland weniger Fahrzeuge. Sie locken mit Preisnachlässen, vollen Tanks oder Wartungsgutscheinen - ohne großen Erfolg.

In ihrer Not haben die Autokonzerne ein Instrument entdeckt, das zumindest Ratenzahlern und Leasingkunden die Kaufentscheidung erleichtern soll: eine Versicherung gegen Arbeitslosigkeit.

Seit Mai bietet sie VW an, ohne Aufpreis. Die Konzerntöchter Seat und Skoda sind inzwischen nachgezogen. Banken greifen das Konzept bei Krediten für Privatkunden auf, Quelle beim Versandhandel. Private Arbeitslosigkeitsversicherungen erleben nach ihrem ersten Auftreten Mitte der neunziger Jahre eine Renaissance.

Damals sollten diese Versicherungen das Arbeitslosengeld aufbessern, der Erfolg blieb jedoch aus. Sie scheiterten an hohen Prämien und am Desinteresse der Kundschaft.

Die Nachfolge-Produkte sind anders konstruiert: Sie übernehmen bei Jobverlust die Kredit- oder Leasingraten. Das soll den Kunden die Angst vor Investitionen nehmen und den Umsatz der Anbieter steigern.

Dieses neue Konzept kommt offenbar wesentlich besser bei den Kunden an, auch wenn es genaue Zahlen nicht gibt. Von einer starken Nachfrage spricht die SEB-Bank, von einer sehr großen Resonanz die Volkswagen Bank.

Bei VW, Seat und Skoda ist jeder Ratenkäufer und Leasingkunde versichert, der seit über einem Jahr einen festen Arbeitsplatz hat, nicht älter als 55 Jahre ist und unverschuldet arbeitslos wird. Der kostenlose Schutz erlischt nach 24 Monaten, wer länger versichert sein will, muss fünf bis acht Euro pro Monat drauflegen.

VW arbeitet mit dem Versicherer Cardif, einer Tochter der BNP Paribas, zusammen, der sich auf das Risiko des Jobverlustes spezialisiert hat. »Im Oktober haben wir in Deutschland die Millionengrenze bei Arbeitslosigkeitsversicherungen durchbrochen«, sagt Deutschland-Geschäftsführer Lothar Huber.

Die Versicherung übernimmt maximal zwölf Raten. Mehr als ein Drittel der Arbeitslosen hat allerdings auch nach zwölf Monaten noch keinen neuen Job gefunden.

Im Dezember will auch die Opel-Bank eine Arbeitslosigkeitsversicherung anbieten, sie ist im Gegensatz zu VW, Seat und Skoda jedoch nicht kostenlos: Der effektive Jahreszins der Ratenkäufer erhöht sich von 0,9 Prozent ohne auf 3,3 Prozent mit Versicherungsschutz. Dafür sind aber bis zu 36 Monatsraten gedeckt.

Mittlerweile bedienen sich auch traditionelle Banken des neuen Instruments, damit ihre Privatkunden angstfrei Kredite aufnehmen können. Bei der SEB etwa übernimmt die Versicherung bis zu 24 Kreditraten von jeweils bis zu 1000 Euro.

Billig ist diese Sicherheit nicht. Zusätzlich zu den gut zehn Prozent Zinsen muss der Kunde bei einem Kredit über 10 000 Euro, Laufzeit 48 Monate, immerhin 422,50 Euro für die Arbeitslosigkeitsversicherung bezahlen. Die Kunden sind nach Auskunft der SEB dennoch zufrieden. Bei der Citibank schließt bereits mehr als ein Siebtel der Kreditnehmer die Zusatzversicherung ab, Tendenz steigend.

Im Versandgeschäft hilft Quelle zaudernden Ratenkäufern. Die Fürther übernehmen bis Ende 2003 die Raten arbeitslos werdender Versandkunden bis zu einem Gesamtbetrag von 3000 Euro. Ein Drittel der Quelle-Kunden zahlt in Raten. Die Versicherung ist kostenlos, allerdings gibt es sie vorerst nur im vierten Quartal 2002.

Quelle-Vertriebsvorstand Gebhard Stammler ist sicher, dass weitere Anbieter nachziehen werden oder noch ausgefallenere Kaufanreize schaffen. Mit der Versicherung wolle sich das Versandhaus »bei den Ratenkäufern bedanken und ihnen etwas Sicherheit in wirtschaftlich schwieriger Zeit vermitteln«, sagt Vorstand Stammler. Die Absatzförderung sei kein Ziel der Aktion.

Ein schöner Nebeneffekt aber ist sie allemal. GERHARD MAUERER

Gerhard Mauerer
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