Siemens Kleinfeld verspricht vollständige Aufklärung von Korruptionsfällen
München - Der in die Kritik geratene Aufsichtsratschef Heinrich von Pierer sagte vor rund 9000 Aktionären in der Münchner Olympiahalle, er bedauere die Korruptionsaffäre zutiefst. Er habe während seiner Amtszeit als Vorstandschef "ganz wesentliche Schritte zur Bekämpfung der Korruption eingeleitet", betonte Pierer. "Es bedrückt mich persönlich besonders stark, dass diese Bemühungen nicht in ausreichendem Maß erfolgreich gewesen sind."
Pierer räumte zudem bei der umstrittenen beschlossenen Erhöhung der Vorstandsgehälter um 30 Prozent Fehler ein, die vor allem in der Kommunikation gelegen hätten. "Es gibt gar keinen Zweifel, dass die Angelegenheit nicht gut gelaufen ist", sagte er. "Wir werden in Zukunft Gehaltssprünge in dieser Dimension vermeiden", kündigte der Ex-Vorstandschef unter starkem Beifall der Aktionäre an.
Pierer verteidigte zudem den umstrittenen Verkauf der später Pleite gegangenen Siemens-Handysparte an den taiwanischen Konzern BenQ. Vorstand und Aufsichtsrat seien sich damals sicher gewesen, dass Beste für Mitarbeiter, Kunden und Aktionäre erreicht zu haben. Die Pleite des Handy-Herstellers sei "außerordentlich bedauernswert und für alle Betroffenen sehr schmerzlich".
Siemens-Chef Klaus Kleinfeld sagte eine vollständige Aufklärung der Schmiergeldaffäre zu. Einzelne aktive und ehemalige Siemens-Mitarbeiter hätten sich ungesetzlich verhalten. "Als ich davon erfahren habe, war ich zunächst fassungslos." Für unsaubere Geschäftspraktiken sei kein Platz bei Siemens. Der Konzern wolle nun die Krise als Chance nutzten und zum Vorbild werden. "Schließlich verbindet man mit Siemens Integrität, Rechtschaffenheit und Vorbildlichkeit", sagte Kleinfeld. Das erkläre auch, warum die Empörung so groß sei.
Siemens geht davon aus, dass in den vergangenen Jahren bis zu 420 Millionen Euro in schwarze Kassen geflossen sind. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen rund ein Dutzend ehemalige und aktive Mitarbeiter, darunter auch Vorstände. Einige wurden zwischenzeitlich festgenommen.
Kleinfeld sagte, der Konzern müsse mit zwei Gesichtern auf das Jahr 2006 zurückblicken: mit einem strahlenden auf die guten Geschäfte und mit einem düsteren auf die schweren Vorwürfe um den Schmiergeldskandal.
Vor Beginn des Aktionärstreffens hatte Siemens zwei wichtige Entscheidungen bekannt gegeben: Zum einen will der Konzern das US-Softwarehaus UGS für 3,5 Milliarden Dollar kaufen. Zum anderen will Siemens mehr als ein Viertel des Autozulieferer VDO an die Börse bringen. Ein Sprecher des Reifenherstellers Continental erklärte heute in Hannover, man sei an einer Beteiligung an der Siemens-Tochter VDO interessiert. "Wir stehen für Gespräche zur Verfügung", sagte er.
kaz/AP/dpa-AFX/Reuters/ddp