Skandal am Neuen Markt: ComROAD implodiert - DER SPIEGEL
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Skandal am Neuen Markt ComROAD implodiert

Der skandalgeschüttelte Telematik-Anbieter ComROAD hat indirekt Scheingeschäfte in Millionenhöhe zugegeben. Von dem bisher gemeldeten Umsatz von 93 Millionen Euro bleiben gerade mal 1,3 Millionen Euro übrig. Am Neuen Markt halbierte sich der Kurs des Penny-Stocks.
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Unterschleißheim - Der ComROAD-Skandal   nimmt neue Ausmaße an. Nach der Sonderprüfung des Jahresabschlusses muss das Unternehmen seine Umsatzangaben für das abgelaufene Geschäftsjahr dramatisch nach unten revidieren. Die Firma habe im vergangenen Jahr mitnichten 93,6 Millionen Euro umgesetzt, wie ComROAD noch am 15. Januar dieses Jahres gemeldet hatte: Nach dem vorläufigen Ergebnis der Prüfer bleiben gerade einmal 1,3 Millionen Euro bestätigter Umsatz übrig. 98,6 Prozent der gemeldeten Umsätze lösen sich damit in Luft auf.

Die drastische Bilanzkorrektur ist nach Einschätzung von Aktionärsschützern der schwerste Betrugsfall in der Geschichte des Neuen Marktes. "So etwas krasses habe ich noch nie erlebt", sagte Daniela Bergdolt von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz.

Recherchen über angebliche Vertragspartner hätten ergeben, dass es diese nicht oder nicht mehr gibt, heißt es in dem Bericht der ComROAD-Prüfer. Zahlreiche Geschäftsverbindungen des Unternehmen entpuppen sich nunmehr offenbar als Scheingeschäfte. Der entlassene ComROAD-Gründer Bodo Schnabel sitzt seit Ostern in Untersuchungshaft. Außerdem droht dem Skandal-Unternehmen ein Delisting, da die Deutsche Börse eine von ComROAD beantragte Fristverlängerung für die Vorlage des Jahresabschlusses abgelehnt hatte.

Geschäfte mit Scheinfirma

Ein Großteil der angeblichen Umsatzerlöse für 2001 (90,3 Millionen Euro) wurden über die "VT Electronics Ltd." in Hongkong abgewickelt. Nachweise, dass diese Gesellschaft "zu irgendeinem Zeitpunkt existierte, konnten nicht erbracht werden", so die Sonderprüfer. Vermutlich seien Scheinrechnungen erstellt und Eingangsrechnungen fingiert worden. Weiteren Partnern wurden 3,2 Millionen Euro direkt in Rechnung gestellt. Die übrigen, in Deutschland erlösten Umsätze betragen zarte 100.000 Euro.

Neue Prüfer

Mit der Sonderprüfung wurde die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Rödl & Partner beauftragt. Deren Bericht umfasst 232 Seiten. Die Prüfungsgesellschaft KPMG hatte Mitte Februar ihr Mandat niedergelegt. Laut ComROAD hatten die KPMG-Prüfer bemängelt, dass Partnergesellschaften in Spanien und Hongkong nicht aufzufinden seien.

Die Sonderprüfung soll auf die Jahre 1998 bis 2000 ausgeweitet werden. ComROAD hatte Schnabel bereits Anfang März fristlos gekündigt.

"Hoher Wertberichtigungsbedarf"

ComROAD teilte in einer Ad-hoc-Mitteilung am Mittwoch außerdem mit, dass sie mit "einem hohen Wertberichtigungsbedarf" rechne. Bei einzelnen Beteiligungsgesellschaften drohe die Insolvenz oder sei bereits eingetreten. An diese seien neben der Kapitalbeteiligung zusätzlich Darlehen gegeben worden: In anderen Fällen habe sich ComROAD für diese verbürgt. Daraus könnten sich "mögliche zukünftige finanzielle Verpflichtungen" für ComROAD ergeben, heißt es weiter. Beteiligungen und Darlehen seien nicht oder nicht ausreichend besichert worden.

Der Kurs der ComROAD-Aktie stürzte am Neuen Markt am Mittwochvormittag um rund 45 Prozent auf 0,40 Euro ab. Der derzeitige ComROAD-Chef Hartmut Schwamm wollte einen Insolvenzantrag nicht mehr ausschließen.