Deutsche Bahn will Bäume zurückschneiden - DER SPIEGEL
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"Neue Witterungsrisiken" Bahn steckt 600 Millionen in Baum-Rückschnitt

Immer wieder sorgen umgestürzte Bäume bei der Bahn für lange Verzögerungen - zuletzt etwa nach Sturmtief "Xavier". Jetzt will der Konzern mehr als eine halbe Milliarde Euro in den Rückschnitt investieren.
Umgestürzter Baum auf Gleisen in Nordrhein-Westfalen (Archivfoto)
Umgestürzter Baum auf Gleisen in Nordrhein-Westfalen (Archivfoto)

Umgestürzter Baum auf Gleisen in Nordrhein-Westfalen (Archivfoto)

Foto: Guido Kirchner/ picture alliance / Guido Kirchne
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Wegen schwerer Stürme und Unwetter kommt es bei der Deutschen Bahn immer wieder zu Einschränkungen im Zugverkehr. So führte etwa Sturmtief "Xavier" zu zahlreichen Ausfällen, weil an vielen Stellen Bäume und Äste auf die Gleise gefallen waren. Experten kritisierten in diesem Zusammenhang, der Konzern habe die Investitionen ins sogenannte Böschungsmanagement stark reduziert.

Die Bahn bestritt das zwar. Nun will sie dennoch gegensteuern und Bäume an den Strecken stärker zurückschneiden. Dazu will das Unternehmen in den kommenden fünf Jahren 625 Millionen Euro investieren. "Praktisch werden die Wälder ab sofort über die bisher eingehaltene Sechs-Meter-Rückschnittszone beidseitig der Gleise durchforstet", teilte die Bahn mit.

Die Maßnahme ist Teil einer Fünf-Punkte-Strategie, mit der sich die Bahn auf neue Witterungsrisiken einstellt. Mehr als 5500 Gesteinsböschungen und Hänge sollen mit Fangzäunen gegen mögliche Erdrutsche gesichert werden. Auch sollen Klimaanlagen in mehr als 4000 Stellwerken regelmäßig überprüft werden, um diese gegen Hitzewellen zu wappnen.

Extremwetter als "neue Normalität"?

Die Bahn stützt sich bei ihren Planungen auf eine Studie des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK), das die Folgen der künftig zu erwartenden Witterungsänderungen auf den Konzernbetrieb analysierte. Demnach könnten viele früher nur selten auftretende Extremwetterereignisse ab Mitte des Jahrhunderts "zur neuen Normalität" in Deutschland gehören.

"Diese Untersuchung zeigt, dass wir uns auf mehr Unwetter, auf Starkregen sowie Hitzewellen und Hochwasser einstellen müssen", sagte Bahn-Chef Richard Lutz. PIK-Direktor Joachim Schellnhuber betonte, die Bahn sei wegen ihrer bundesweiten Aktivitäten besonders anfällig für den Klimawandel. "Egal wo lokale Wetterextreme zuschlagen, sie treffen fast immer die Bahn."

Klima extrem - Warum das Wetter immer unberechenbarer wird

Der Konzern setzt nach eigenen Angaben auch auf beheizte Weichen, um Kälteeinbrüche besser zu überstehen. Bereits 49.000 von insgesamt 70.000 Weichen seien mit Heizungen ausgestattet. An der Strecke durch das Mittelrheintal zwischen Köln und Frankfurt am Main testet die Bahn demnach zudem ein Glasfaserkabelsystem, um Hindernisse schnell zu erkennen.

hej/AFP