Kampf gegen die Krise EZB belässt Leitzins auf Rekordtief
EZB-Chef Mario Draghi: Leitzins bei 0,05 Prozent
Foto: PETRAS MALUKAS/ AFPFrankfurt am Main - Die Europäische Zentralbank (EZB) hält im Kampf gegen eine zu niedrige Inflation im Euroraum am historisch tiefen Leitzins fest. Der zentrale Zinssatz für die Währungsunion bleibe bei 0,05 Prozent, teilte die EZB mit. Sie hatte im September überraschend eine Zinssenkung von 0,15 auf 0,05 Prozent verkündet. Zu diesem Satz können sich Geschäftsbanken bei der Notenbank Geld leihen.
Notenbank-Präsident Mario Draghi hatte die Entscheidung für den Minizins im September mit der anhaltend schwachen Konjunktur und der geringen Inflation im Euroraum begründet. Eine zu geringe Inflation kann dazu führen, dass Unternehmen nur zögerlich investieren, weil sich die Investitionen nicht rentieren, und Verbraucher in der Hoffnung auf weiter sinkende Preise Anschaffungen zurückstellen. Das würde das Wirtschaftswachstum hemmen. Die EZB strebt daher eine Inflationsrate von etwa zwei Prozent an.
Im vergangenen Monat war die Teuerungsrate in der Eurozone allerdings erneut gesunken. Laut einer ersten Schätzung der EU-Statistikbehörde Eurostat betrug die Preissteigerung nur noch 0,3 Prozent, im August waren es noch 0,4 Prozent. Zuletzt hatte der Wert im Oktober 2009 auf dem niedrigen Niveau von 0,3 Prozent gelegen.
Entlasten will die Notenbank Geschäftsbanken zudem über den Ankauf von Kreditpaketen (Asset Backed Securities/ABS) und Pfandbriefen. Ziel ist, die lahmende Kreditvergabe in Schwung zu bringen: Nimmt die EZB den Banken ABS-Pakete ab, hätten sie Freiräume zur Vergabe von Krediten. Trotz der seit Jahren anhaltenden Geldflut der EZB kommt die Kreditvergabe gerade in Südeuropa nicht recht in Schwung.
Bis zu eine Billion für Wertpapierkäufe
Für das Werpapier-Ankaufprogramm will die EZB laut Draghi bis zu einer Billion Euro in die Hand nehmen. Allerdings sei dies ein potenzielles Gesamtvolumen. Die EZB hält sich auch den großangelegten Kauf von Staatsanleihen offen. Die Währungshüter seien einhellig der Auffassung, zusätzliche Maßnahmen zu ergreifen, "sollte dies notwendig werden", sagte Draghi.
Anleger reagierten enttäuscht auf die Äußerungen Draghis. Der Dax drehte während der Pressekonferenz ins Minus und fiel um bis zu ein Prozent auf ein Sechs-Wochen-Tief von 9283 Punkten. Der EuroStoxx verlor bis zu 1,6 Prozent.
"Die Tatsache, dass der EZB-Chef keine Volumina genannt hat, werten wir zunächst als Enttäuschung", sagte Helaba-Analyst Ralf Umlauf. Jeremy Batstone-Carr von Charles Stanley kritisierte, die angekündigten Käufe seien Mikro-Maßnahmen, die nicht auf eine Belebung der Kreditvergabe zielten, sondern die Rettung von Banken, die den Stresstest verfehlt hätten.
Am Aktienmarkt gerieten vor allem einige Bankenwerte unter Druck: der EuroStoxx-Banken-Index verlor in der Spitze drei Prozent. Zu den größten Verlierern zählten italienische und spanische Banken wie die Banco Popolare und die spanische BK Popular mit Abschlägen von bis zu fünf Prozent. Commerzbank rutschten mit einem Abschlag von 3,4 Prozent ans Dax-Ende. Papiere der Deutschen Bank verloren zwei Prozent.