G7-Gipfel Wirtschaftsmächte wollen Steuersünder bekämpfen
Aylesbury - Die sieben führenden westlichen Industrieländer (G7) wollen gemeinsam Steuerhinterziehern und -flüchtlingen überall in der Welt das Leben schwer machen. "Es ist unglaublich wichtig, dass Unternehmen und Bürger die Steuern zahlen, die zu zahlen sind", sagte der britische Finanzminister George Osborne am Samstag nach einem Treffen der G7-Finanzminister und -Notenbankchefs nahe dem südenglischen Aylesbury.
Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) erklärte, die Länder der Gruppe würden darauf dringen, den automatischen Informationsaustausch über alle Arten von Kapitalerträgen zum internationalen Standard zu machen. Für die europäische Initiative gegen die Steuervermeidung habe er viel Zustimmung erfahren, sagte Schäuble. Dabei geht es um das Schließen von Steuerschlupflöchern, die von international tätigen Firmen ausgenutzt würden.
Viele der international als Steueroasen gebrandmarkten Regionen sind britische Überseegebiete oder britischer Kronbesitz, wie etwa die Kanalinseln Jersey und Guernsey, die britischen Jungferninseln oder die Kaiman-Inseln in der Karibik. Bundesfinanzminister Schäuble verteidigte die britische Regierung aber gegen den Vorwurf, aus London kämen lediglich Lippenbekenntnisse im Kampf gegen Steuerparadiese. Es gehe darum, künftig den Austausch von Steuerauskünften automatisch zu ermöglichen, nicht nur auf konkrete Nachfrage, wie dies etwa mit der Schweiz seit 2010 vereinbart ist.
Intensive Diskussion über Abwertung des Yen
Auch der Kursrutsch der japanischen Währung war ein Thema auf dem G7-Gipfel. Die japanische Zentralbank versucht das Land durch eine extrem expansive Geldpolitik aus der seit Jahrzehnten andauernden Deflation zu befreien. Auf diese Weise verschafft sie den Exportunternehmen Japans aber auch einen Wettbewerbsvorteil auf den Weltmärkten.
Schäuble sprach von einer "besonders intensiven" Diskussion mit den japanischen Kollegen. Damit habe das Land ein besseres Verständnis für sein Handeln hergestellt. Die Japaner hätten zugesagt, die Auswirkungen ihrer Politik genau zu beobachten.
Sorge äußerte Schäuble wegen der Ausweitung der Geldmenge, die von vielen Zentralbanken in entwickelten Ländern betrieben wird und die die Gefahr steigender Inflation birgt. Auch Bundesbank-Präsident Jens Weidmann warnte vor einer zu langen expansiven Geldpolitik mit niedrigen Zinsen. "Je länger sie andauert, je stärker steigen die Stabilitätsrisiken, die sie mit sich bringt", warnte er. Die Geldpolitik könne Strukturprobleme in den Ländern nicht lösen.