Rückkehr an den Kapitalmarkt Athen will erstmals wieder Staatsanleihen ausgeben
Akropolis in Athen: Griechenland will wieder eigenständig an die Finanzmärkte
Foto: JOHN KOLESIDIS/ REUTERSAthen - Nach Jahren am Tropf internationaler Hilfen beschafft sich Griechenland wieder selbst Kapital auf den Finanzmärkten. Wie das griechische Finanzministerium am Mittwoch mitteilte, beauftragte Athen internationale Banken, demnächst eine über fünf Jahre laufende Staatsanleihe auszugeben.
Griechenland hatte im Jahr 2010 zur Abwendung eines Staatsbankrotts internationale Hilfen beantragen müssen.
Aus dem Finanzministerium verlautete gegenüber SPIEGEL ONLINE, die Auktion solle bereits am Donnerstagmorgen stattfinden und insgesamt zwischen zwei und drei Milliarden Euro erlösen. Die Rendite könnte Schätzungen zufolge zwischen 4,75 und 5,25 Prozent betragen.
Maximal zehn Prozent der Anleihen sollen von griechischen Investoren gezeichnet werden können. So will die griechische Regierung offenbar demonstrieren, dass sie wieder das Vertrauen internationaler Investoren genießt. Die Anleihen sollen nach britischem Recht vergeben werden.
Die Entspannung in der Euro-Schuldenkrise und an den Finanzmärkten spielt Athen in die Hände, sich wieder eigenständig an die Finanzmärkte zu wagen. Die Investoren reißen sich derzeit um bereits vor Jahren ausgegebene griechische Staatsanleihen. Die Rendite für richtungsweisende zehnjährige Staatstitel fiel in den vergangenen Tagen auf etwas mehr als sechs Prozent und damit auf den tiefsten Stand seit 2010, was die hohe Nachfrage widerspiegelte. Damals war Athen immer tiefer in die Schuldenkrise gerutscht, die Finanzmärkte verloren das Vertrauen, die Zinsen für die Schuldenaufnahme stiegen zeitweise auf mehr als 30 Prozent und waren damit für das Land nicht mehr zu stemmen.
Die wirtschaftliche Lage in dem Land bleibt für viele Griechen schwierig, die Ausgangssituation ist teilweise schlechter als 2010. Mit einem landesweiten Streik protestierten am Mittwoch viele Arbeitnehmer gegen das harte Sparprogramm. Mehr als 20.000 Menschen zogen friedlich durch Athen. Schulen und Apotheken blieben geschlossen, Schiffe in den Häfen. In Athen kam der Nahverkehr zum Erliegen. In den Krankenhäusern gab es nur eine Notbesetzung.
"Wir streiken und kämpfen, um die Sparmaßnahmen zu beenden", erklärte die Gewerkschaft GSEE. Der Streik richte sich auch gegen Bundeskanzlerin Angela Merkel, die von Ministerpräsident Antonis Samaras am Freitag empfangen wird.