US-Krabbenbranche: Finderlohn für Marylands Fischer
US-Fischer in der Krise Heilige Krabbe!
Morgan Tolly lebt von Krabben. Seit drei Generationen verarbeitet seine Familie die kleinen Meeresfrüchte, die vor ihrer Haustür leben - entlang der Atlantikküste Marylands. Dort läuft das Ozeanwasser durch den Chesapeake Bay, die größte Flussmündung in den USA. Mittendrin: die schmale Insel Fishing Creek, auf der seit Jahrzehnten Fischereifamilien wie die Tollys leben. Doch die fürchten sich um ihre Existenz: Bald, glaubt Morgan Tolly, könnte es mit der Krabbenbranche in Maryland vorbei sein.
Der Nachwuchs fehlt am Chesapeake Bay, die Jugendlichen haben keine Lust mehr auf die kleinen Familienbetriebe. Also verlassen viele von ihnen die Dörfer am Atlantik - um in Städten bessere Jobs mit einem höheren Gehalt zu finden. Das macht sich auch bei den verarbeitenden Krabbenunternehmen bemerkbar: Mittlerweile stellen die Betriebe dank eines US-Visa-Programms ausländische Saisonarbeiter ein, vor allem Mexikaner.
Der Bestand schwindet, die Konkurrenz wächst
Dass es soweit kommen konnte, liegt auch an der in die Krise geratenen Geschäftsgrundlage. Fishing Creek ist bekannt für seine Blaukrabben. Doch der Bestand ist in den vergangenen Jahren rapide zurückgegangen. Konnten die Fischer Mitte der 1990er-Jahre noch 120 Millionen Pfund Blaukrabben fangen, waren es vergangenes Jahr nur noch 35 Millionen Pfund. Und dann sind da noch die internationalen Großkonzerne, die versuchen, die Privatfischer vom Markt zu drängen.
Der US-amerikanische Fotograf Jonathan Ernst zeigt in seiner Fotoreportage, wie die Marylander Krabbenfischer weiterhin leidenschaftlich an ihrer Tradition festhalten - und mit strikten Regeln versuchen, die weitere Überfischung im Chesapeake Bay zu verhindern. Die Fotos zeigen aber auch, wie die mexikanischen Saisonarbeiter für nur sechs Monaten in das traditionelle Gewerbe eintauchen.