Privatisierung: Schäuble will Firmenanteile des Bundes versilbern - DER SPIEGEL
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Privatisierung Schäuble will Firmenanteile des Bundes versilbern

Die Bundesregierung will sich 2012 nicht nur weniger Geld leihen, sondern sich auch von mehr Unternehmensanteilen trennen als bislang geplant. Welche Firmen verkauft werden sollen, ist unklar. Sicher scheint nur: Die Bahn ist es nicht.
Finanzminister Schäuble: Mehr Privatisierung wagen
Finanzminister Schäuble: Mehr Privatisierung wagen

Finanzminister Schäuble: Mehr Privatisierung wagen

Foto: TOBIAS SCHWARZ/ REUTERS
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Berlin - Nicht nur bei der Neuverschuldung weicht der Bund von seiner bisherigen Planung ab, sondern auch beim Thema Privatisierung bundeseigener Unternehmensanteile: Aus den Haushaltsplänen von Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) für 2012 geht hervor, dass sich der Bund in stärkerem Umfang von Beteiligungen trennen will als bisher geplant. Das schwarz-gelbe Kabinett will die Pläne an diesem Mittwoch in Berlin verabschieden.

Danach wurden die für 2012 veranschlagten Privatisierungserlöse gegenüber den sogenannten Haushaltseckwerten von Mitte März nach oben korrigiert. "Wir erwarten höhere Einnahmen aus verschiedenen Maßnahmen", verlautete aus dem Finanzministerium. Nähere Angaben wurden nicht gemacht. "Da gibt es Erkenntnisgewinn", hieß es nur. Schwarz-Gelb wolle mehr privatisieren: "Die Bahn ist es nicht."

Der Bund hält Anteile unter anderem an der Deutschen Telekom  und an der Deutschen Post  , aber auch an der Deutschen Flugsicherung, an der Bundesdruckerei und an Hafen- und Flughafen-Gesellschaften sowie an Immobiliengesellschaften. Eine Privatisierung der vollständig in Bundesbesitz befindlichen Deutschen Bahn AG ist vorerst vom Tisch. Auch die HRE-Bank befindet sich in Staatsbesitz.

An der Commerzbank   ist der Bund mit 25 Prozent plus einer Aktie beteiligt und damit größter Einzelaktionär. Das Institut wurde auf dem Höhepunkt der Finanzkrise mit Milliarden der Steuerzahler gerettet. Ein Großteil der Gelder hat die Commerzbank inzwischen zurückgezahlt. Der Bund hatte sich verpflichtet, die Aktien der Commerzbank zumindest bis zum 31. Dezember 2011 nicht zu verkaufen. Wann der Staat die Aktien abstoßen will, ist bisher unklar.

Allerdings würden Einnahmen aus einem Verkauf der Commerzbank-Aktien nicht in den Bundeshaushalt fließen, sondern in das Sondervermögen zur Bankenrettung außerhalb des Bundesetats. Zusätzlich jetzt im Etatentwurf veranschlagte Privatisierungserlöse für den Bund würden demnach also anderen Staatsbesitz betreffen. Auch müsste der Aktienkurs der Commerzbank stärker zulegen, damit der Bund mit Gewinn aussteigt. Am Freitag kosteten die Papiere 3,149 Euro.

Schon am Freitag hatte SPIEGEL ONLINE berichtet, dass Schäuble (CDU) im nächsten Jahr auch nur noch rund 28 Milliarden Euro an neuen Schulden aufnehmen will. Im Eckwertebeschluss für den Bundesetat vom März hatte Schäuble noch 31,5 Milliarden Euro an Neuverschuldung vorgesehen.

Möglich wird die geringere Kreditaufnahme, weil die Wirtschaft deutlich stärker wächst als noch in den ersten Monaten des Jahres erwartet. Dadurch steigen auch die Steuereinnahmen des Staates. Die Wirtschaftsinstitute haben ihre Prognosen für 2011 deutlich nach oben korrigiert. Anfang der Woche sagten die Ökonomen des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) sogar ein Wachstum von 4,0 Prozent voraus. Das wäre ein Boom, wie es ihn zuletzt 1991 gab.

otr/dpa