Handelskrieg mit EU und USA Russland will Lebensmittelpreise deckeln
Supermarkt in Moskau: Heikler Boykott westlicher Lebensmittel
Foto: KIRILL KUDRYAVTSEV/ AFPMoskau - Nach dem Einfuhrverbot für westliche Agrarprodukte will Russland drohende Preiserhöhungen begrenzen. Landwirtschaftsminister Nikolai Fjodorow habe mit Branchenvertretern über die Möglichkeit von Absprachen beraten, um die Lebensmittelpreise zu deckeln. Solche Preiskontrollen könnten verhindern, dass die Teuerung durch Spekulationsgeschäfte angeheizt werde, teilte das Ministerium nach dem Treffen am Freitagabend mit.
Als Reaktion auf die Wirtschaftssanktionen der EU und der USA hatte Russland ein Importverbot für Obst, Gemüse, Fleisch und Milchprodukte aus der EU, Kanada und Australien verhängt. Der Boykott ist für dem Kreml heikel, da er die eigene Bevölkerung trifft. Russlands eigener Agrarsektor kann das Land nicht komplett versorgen. Nach Angaben der Moskauer Universität importiert Russland gut 53 Prozent seiner Lebensmittel.
Fjodorow hatte erklärt, dass dadurch die Preise nur kurzfristig anziehen dürften, da sich Russland mittelfristig nach Alternativlieferanten umschauen will. So könnte etwa mehr Fleisch aus Brasilien und Käse aus Neuseeland eingeführt werden.
Die EU und die USA hatten Ende Juli ihre Sanktionen verschärft, weil sie Russland vorwerfen, den Konflikt mit Separatisten in der Ostukraine anzuheizen. Russland verhängte daraufhin Gegenmaßnahmen. In der kommenden Woche will die EU über die Auswirkungen des einjährigen russischen Importstopps für Lebensmittel aus der Union beraten. Dabei dürfte es auch um Kompensationsmöglichkeiten für EU-Landwirte gehen.
Nach Einschätzung von Landwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) hat Russlands Einfuhrverbot keine dramatischen Folgen. Der russische Markt sei zwar "bedeutsam", aber es seien durch die Sanktionen vorerst "keine Marktturbulenzen" zu befürchten, sagte Schmidt der "Passauer Neuen Presse".
Die deutschen Ausfuhren nach Russland hätten sich in den vergangenen Jahren aufgrund von Einfuhrbeschränkungen ohnehin bereits deutlich verringert. So seien in den ersten fünf Monaten des Jahres nur Waren im Wert von 500 Millionen Euro exportiert worden, 25 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum.