Twitter-Reaktionen auf Shutdown - DER SPIEGEL
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#Shutdown auf Twitter "Die Bücherei ist zu. Darf ich stattdessen dich auschecken?"

Amerika erlebt den Staatsinfarkt, auf Twitter machen US-Bürger ihrem Ärger kreativ Luft. Manche sehen in der verwaltungspolitischen Tristesse gar eine 1A-Anmach-Option.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Hamburg - Weil im US-Kongress ein Streit um den Haushalt tobt, bleiben Museen, Zoos und Touristik-Attraktionen geschlossen. Selbst die Freiheitsstatue lässt sich nicht besichtigen. Auf dem Kurznachrichtendienst Twitter werden die zeitgeschichtlichen Zeichen des amerikanischen Ausnahmezustands festgehalten , sarkastisch kommentiert und weitergesponnen.

Unter dem Hashtag  #ShutdownPickupLines  wird der Kollaps im öffentlichen Dienst zur 1A-Anmach-Option. Liebe zu Zeiten des Staatsinfarkts: die besten Strategien. Aggressives Angraben, glauben manche, lasse sich ob der verwaltungspolitischen Tristesse Royale fast immer als verzweifelter Versuch der Freitzeitgestaltung entschuldigen. Motto: "Die Bücherei hat zu. Darf ich stattdessen dich auschecken? "

Andere offerieren der Dame ihrer Gunst in diesen dunklen Stunden, in denen man sich von aller Welt, ja, sogar vom Präsidenten, verlassen fühlt, Zuflucht in ihre rettenden Arme: "Anders als manche Abteilungen der Regierung werde ich dir immer zuhören, Baby." Wieder andere nutzen die Washingtoner Endzeit-Stimmung, um sich als Desperado zu gerieren. Motto: Wir haben nichts zu verlieren. Und ich habe ein Budget, das bis Mitternacht ausgegeben werden muss.

Das Versagen der Staatsorgane lässt sich übrigens ebenfalls in der Twittersphäre besichtigen. "Aus Mangel an Fördermitteln werden wir diesen Account bis auf weiteres nicht mehr betreiben", heißt es etwa im vorerst letzten Tweet  des United States Geological Survey, einer wissenschaftlichen Behörde zur Erforschung von Naturkatastrophen. "Wie werden wir jetzt bloß wissen, wenn es ein Erdbeben gibt?", kommentiert ein Nutzer mit gespielter Verzweifelung. "Ach ja, stimmt, der Boden bebt."

Böse Zungen behaupten, dass der Shutdown wohl bisweilen auch ein Schlaglicht darauf werfe, wofür die Steuergelder der US-Bürger bisher so alles ausgegeben wurden. Eine Frage, mit der man sich in dem ein oder anderen Fall sicher einmal dialektisch auseinandersetzen könnte.

Tiefe Einblicke in die amerikanische Gesellschaft bietet der Hashtag #dearcongess. Hier wird Twitter zum Zerrspiegel einer mehrere Generationen übergreifenden politischen Desillusionierung. Die Nutzerin Carol Beck etwa beschreibt  hier, wie sie mit dem Versuch scheiterte, ihrer Tochter die aktuellen Entwicklungen in Washington zu erklären. "Sie weigern sich, wie Erwachsene zusammenzuarbeiten", erörterte Carol das Benehmen der Politiker. Gegenfrage der Kleinen: "Aber sind das denn keine Erwachsenen?"

ssu