Sparkurs bei easyJet: Koffersünder sollen büßen - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Sparkurs bei easyJet Koffersünder sollen büßen

Der Billigflieger easyJet tritt angesichts brutaler Konkurrenz und drückender Ölpreise jetzt noch stärker auf die Kostenbremse: Am Stammsitz England fallen Stellen weg, Verbindungen zu teuren Flughäfen stehen auf der Kippe. Außerdem will Konzernchef Ray Webster härter gegen Passagiere vorgehen, die zuviel Gepäck mitbringen.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Hamburg/London - Nach Jahren stürmischen Wachstums auch beim Personal markiert die Ankündigung von Stellenstreichungen einen Wendepunkt. Betroffen seien die Call Center und die Verwaltung, sagte Webster bei einer Telefonkonferenz mit deutschen Journalisten. Erzwungene Kündigungen solle es nicht geben. Einige Mitarbeiter würden versetzt, anderen werde man Abfindungspakete anbieten.

Schon im abgelaufenen Geschäftsjahr (bis Ende September) hatte easyJet angesichts harscher Konkurrenz durch Ryanair   und andere Billigairlines nur zögerlich neu eingestellt. Die Zahl der Beschäftigten stieg um gut zehn Prozent auf 3730. Umsätze und Streckennetz wuchsen aber weit rascher.

Derzeit beschäftigt easyJet rund 10.000 Mitarbeiter nur indirekt über Subunternehmer. Vor allem in der Verwaltung wolle man weiter outsourcen, sagte Webster. Die Gesamtzahl der Stellenstreichungen werde indes "klein" sein. Bei der Crew würden keine Jobs gekappt, sie solle aber - wie schon 2004 - produktiver arbeiten.

Webster: Prüfen Extragebühr für reservierte Sitze

Die Ankündigungen zeigen, dass sich easyJet und andere Billigairlines auf einen harten Winter und ein schwieriges Jahr 2005 einstellen. Seit dem Sommer mussten bereits der kleine Konkurrent V-Bird mit seiner Basis am Flughafen Niederrhein und die italienische Volare ihren Flugbetrieb einstellen.

EasyJet als Nummer zwei der Branche konnte seinen Vorsteuergewinn im Gesamtjahr zwar um 21 Prozent auf 62,6 Millionen Pfund steigern (89,5 Millionen Euro). Doch vor allem das zweite Halbjahr war wegen rekordhoher Kerosin- und fallender Ticketpreise schwierig - in diesem Zeitraum schrumpfte der Nettoprofit um über 20 Prozent. Webster rechnet damit, dass easyJet auch 2006 und 2007 langsamer wächst als früher anvisiert.

Der Airline-Chef kündigte zahlreiche weitere Sparpläne an. Strecken zu Flughäfen, die hohe Gebühren kassierten, könnten gestrichen werden. Auch werde man härter gegen Passagiere "vorgehen", die Übergepäck aufgeben, sagte er. "Wenn sie mehr als zwanzig Kilo einchecken, müssen sie dafür zahlen." Möglich sei auch, dass easyJet seinen Grundsatz der freien Sitzplatzwahl aufweicht. Es sei denkbar, eine Extragebühr von Passagieren zu verlangen, die einen bestimmten Platz reservieren wollen.