Springer-Paket Deutsche Bank gewährt Kirch Galgenfrist
München - Die Deutsche Bank hat Anspruch auf Kirchs 40-prozentige Springer-Beteiligung, die als Sicherheit für einen bereits fällig gewordenen Kredit in Höhe von mehr als 720 Millionen Euro dient. Per einstweiliger Verfügung hatte Kirch erwirken wollen, dass die Kontrolle an dem Aktienpaket noch einige Zeit bei ihm bleibt - denn Branchenkreise zufolge will Kirch seine Springer-Beteiligung lieber heute als morgen veräußern.
Seine Absicht hat Kirch in München juristisch am Dienstag nicht erfolgreich durchsetzen können. Das Gericht fällte zunächst keine Entscheidung und vertagte sich auf den 20. September. Dennoch kommt die Deutsche Bank Kirch entgegen: "Wir beabsichtigen .. nicht, das Paket bis zum 20. September zu verwerten", sagte der Anwalt des Instituts, Peter Heckel.
Der Schritt ist als deutliches Entgegenkommen anzusehen, denn da die einstweilige Verfügung am Dienstag nicht erlassen wurde, könnte die Deutsche Bank im Prinzip sofort auf das Paket zugreifen.
Die Zeit drängt
Kirch will die Zeit nutzen, seine Verkaufsverhandlungen für das Paket abzuschließen. Als Käufer kommt nach der Absage des Medienkonzerns WAZ vor allem der Schweizer Medienkonzern Ringier in Frage.
Für die Deutsche Bank wäre ein Verkauf des Pakets von Kirch an Ringier nach Informationen aus Branchenkreisen lukrativ, da sie ihr Geld für den Kredit zurück erhalten und Provisionen für die Abwicklung des Einstiegs der Schweizer bei Springer kassieren könnte.
Kirchs Anwalt Wolf-Rüdiger Bub zeigte sich zufrieden. Er sei zuversichtlich, dass der Verkauf des Pakets bis zum 20. September über die Bühne gehe. In der vergangenen Woche habe Kirch bereits beim Axel-Springer-Verlag beantragt, das Paket verkaufen zu dürfen. Der Springer-Aufsichtsrat solle an diesem Freitag über den Antrag entscheiden.
Eine Verfügung jagt die andere
An diesem Donnerstag steht für Kirch bereits der nächste Termin vor dem Münchner Landgericht an. Dann müssen die Richter entscheiden, ob Kirch das Paket an einen Interessenten verkaufen kann, mit dem Springer nicht einverstanden ist. Diese einstweilige Verfügung hatte der Springer-Verlag vor allem mit Blick auf einen möglichen Verkauf an die WAZ beantragt, gegen den sich der Verlag gewehrt hatte.
Mit dem Ringier-Verlag als künftigem Großaktionär wäre aber auch dieses Verfahren hinfällig, denn der Springer-Verlag ist nach Informationen aus Branchenkreisen grundsätzlich mit den Schweizern als Großaktionär einverstanden. Beide Seiten führen nach eigenen Angaben bereits Gespräche über das Aktienpaket Leo Kirchs.
Nach Informationen der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" wird in den Verhandlungen über die Möglichkeit einer strategischen Partnerschaft beider Unternehmen diskutiert. Offen sei noch, wie hoch eine Beteiligung des größten deutschen Zeitungshauses in der Schweiz ausfallen könnte. Das Konzept sehe auch den möglichen Tausch von Verlagsobjekten etwa im Zeitschriftenbereich vor.