Staatshilfe in Frankreich Renault-Chef findet Protektionismus "normal"
Paris - Die weltweite Absatzkrise trifft die französischen Autohersteller hart. Am Mittwoch musste Peugeot ein dickes Minus bekanntgeben - und verkündete gleichzeitig den Abbau von mindestens 11.000 Stellen. An diesem Donnerstag folgt nun Renault : Das Unternehmen will in diesem Jahr 9000 Arbeitsplätze streichen.
Dabei erhalten die französischen Autokonzerne Milliardenhilfen von der Regierung in Paris. Staatspräsident Nicolas Sarkozy hatte die Kredithilfen daran geknüpft, dass es keine Entlassungen geben dürfe.
Insgesamt beschäftigt Renault 129.000 Menschen. Von den betroffenen 9000 Arbeitsplätzen soll rund die Hälfte auf Frankreich entfallen. Es werde aber keine Sozialpläne geben, sagte Konzernchef Carlos Ghosn am Donnerstag. Der Stellenabbau geschehe wie geplant über Aufhebungsverträge und natürliche Fluktuation. "Derzeit ist es nicht nötig, mehr zu tun." Er fügte allerdings hinzu: "Ich spreche von 2009."
Die massive Hilfe durch den französischen Staat verteidigte Ghosn. In Deutschland stoßen die Maßnahmen auf massive Kritik: Wettbewerber wie Volkswagen fürchten eine Verzerrung des Wettbewerbs zu ihren Lasten. Auch die Bundesregierung ist gegen das Vorgehen der Regierung in Paris.
Ghosn hingegen nannte es einen "Vorteil, heute den Staat als Aktionär zu haben". Die Kritik an den französischen Staatshilfen wies er zurück. Europa müsse "die Führung übernehmen" und nicht nur Maßnahmen kritisieren, sagte der Renault-Chef. "Bisher haben sieben EU-Staaten die Initiative ergriffen. Und das funktioniert." Die Industrie brauche "keine Geschenke", sondern Finanzierung und Stimulierung der Nachfrage.
Den Vorwurf, Frankreich betreibe Protektionismus gegen andere EU-Länder, wies Ghosn zurück. Protektionismus werde es "überall geben", sagte der Manager. "Sie werden sehen, dass andere Staaten folgen werden, und das erscheint mir normal."
Radikaler Sparkurs
Frankreich gewährt Renault und Peugeot-Citroën (PSA) jeweils drei Milliarden Euro Darlehen für sechs Prozent Zinsen, die bei steigenden Gewinnen bis auf neun Prozent klettern können. "Früher hatten wir 3,4 Prozent am Markt bezahlt. Jetzt zahlen wir sechs. Am Markt würden wir vielleicht neun Prozent zahlen", sagte Ghosn. "Das ist sicherlich eine Hilfe, wenn man die Umstände ansieht. Aber wir zahlen mehr als früher. Das ist ein Darlehen zu vernünftigen Bedingungen."
Renault ist im vergangenen Jahr voll von der Branchenkrise erwischt worden. Der Umsatz fiel um sieben Prozent auf 37,8 Milliarden Euro, teilte das Unternehmen mit. Das Nettoergebnis schmolz von mehr als 2,7 Milliarden Euro im Vorjahr auf knapp 600 Millionen Euro. Grund war der Zusammenbruch der Märkte im zweiten Halbjahr.
Der Konzern hat sich nun einen einschneidenden Sparkurs verordnet. Für 2008 soll keine Dividende gezahlt werden, die Investitionen werden im laufenden Jahr um mindestens 20 Prozent zurückgefahren. Für das laufende Jahr rechnet Renault mit einer weiteren Verschlechterung der Lage. Schon im zweiten Halbjahr 2008 sei die Produktion deshalb deutlich zurückgefahren worden.
Trotz des massiven Gewinneinbruchs haben die Aktien von Renault am Donnerstagvormittag zeitweise mehr als sechs zugelegt. In einer ersten Einschätzung verwiesen Analysten auf eine positive Überraschung bei den Lagerbeständen.
Am Mittwoch hatte auch der Konkurrent Peugeot ein Sparprogramm vorgelegt. Das Unternehmen plant den Abbau von mindestens 11.000 Stellen. Über einen Rückgang des Absatzes klagt aber auch der deutsche Hersteller Volkswagen: Im Januar betrug das Minus mehr als 21 Prozent.
General Motors will 22.000 Arbeiter loswerden
Auf der anderen Seite des Atlantiks sieht die Lage sogar noch düsterer aus. Der notleidende US-Autohersteller General Motors hat rund 22.000 älteren Schichtarbeitern laut einem Zeitungsbericht Abfindungen angeboten. GM - der Mutterkonzern von Opel - hoffe, dass rund die Hälfte der betroffenen Beschäftigten einwillige, berichtet das "Wall Street Journal".
Der massive Einschnitt sei Teil der Sanierungspläne, die GM und der Wettbewerber Chrysler bis kommenden Dienstag der US-Regierung vorlegen müssen. Beide Hersteller hängen über Milliardenkredite am Tropf des Staates und müssen der US-Regierung bis Ende März konkret ihre Überlebensfähigkeit beweisen. Unter anderem sollen sie ihre Lohnkosten auf das Niveau ausländischer Hersteller in den USA senken. Amerikas Nummer zwei, Ford , will bisher ohne Staatshilfen auskommen.
Die neuerliche Abfindungsrunde für ältere GM-Beschäftigte ist bereits die dritte in vier Jahren. Der Konzern strich in den vergangenen Jahren bereits zehntausende Stellen. Erst am Dienstag hatte GM den Abbau weiterer 10.000 Arbeitsplätze im Angestellten-Bereich angekündigt. Der Hersteller beschäftigt nach neuesten Angaben weltweit knapp 245.000 Menschen, davon rund 55.000 in Europa.