Steuerskandal: Festnahmen im Liechtensteiner Erpressungsfall - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Steuerskandal Festnahmen im Liechtensteiner Erpressungsfall

Razzia am Nachmittag: Polizisten haben drei Männer aus Kiel und Rostock verhaftet. Sie sollen mitgeholfen haben, die Liechtensteiner Landesbank um Millionen zu erpressen - mit delikaten Daten, die ein Angestellter 2003 aus dem Geldinstitut geschleust hatte.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Rostock - Insgesamt neun Millionen Euro sollen die Erpresser seit 2005 von der Liechtensteinischen Landesbank (LLB) kassiert haben, damit sie deren Kundendaten nicht ausplaudern. Jetzt hat die Polizei drei Verdächtige in dem Fall festgenommen, Männer im Alter von 41, 43 und 50 Jahren, wie Staatsanwalt Peter Lückemann der Nachrichtenagentur AP sagte.

Die Festgenommenen stammen laut Lückemann aus Lübeck und dem Raum Kiel. Sie sollen Komplizen des mutmaßlichen Haupttäters sein, der bereits seit vergangenem Herbst in Untersuchungshaft sitzt.

Anfang der Woche hatte die LLB berichtet, sie sei von einem ehemaligen Mitarbeiter mit gestohlenen Unterlagen über deutsche Kunden erpresst worden. Die Staatsanwaltschaft vermutet, dass es sich um die 2325 Daten handelt, die ein Liechtensteiner Bankangestellter im Jahr 2003 aus der LLB geschleust hatte. Der zu sechs Jahren Haft verurteilte Banker hat laut Lückemann Kontakt zu dem deutschen Hauptverdächtigen gehabt. Nach SPIEGEL-Informationen sind die Daten noch in Umlauf.

Bisher soll das Geldhaus laut Staatsanwaltschaft rund 1600 Daten zurückgekauft haben. Im August 2005 habe der Verdächtige für 7,5 Millionen Schweizer Franken zunächst 700 Daten an die Bank zurückgegeben, im August 2007 für vier Millionen Euro weitere 900 Daten. Der Rest sollte im August 2009 an die Bank zurückgehen.

Die Rostocker Ermittler waren dem Verbrechen zufällig auf die Spur gekommen: Der Hauptverdächtige hatte bis 2004 wegen verschiedener Straftaten fast zehn Jahren in Haft gesessen, unter anderem wegen Bankraubs. Der Verbleib der Tatbeute von 1,6 Millionen Mark aus einem Überfall sei unklar gewesen. Als die Mutter des Verdächtigen im September 2007 rund 1,4 Millionen Euro in Rostock zur Bank bringen wollte, wurden die Ermittlungen aufgenommen. Dabei stellte sich heraus, dass das Geld aus Liechtenstein stammte.

Die Staatsanwaltschaft kündigte an, zeitnah Anklage gegen den Mann zu erheben. Lückemann betonte, die Festnahmen hätten nichts mit dem aktuellen Steuerskandal um Ex-Postchef Klaus Zumwinkel und andere Kunden der Liechtensteiner LGT-Bank zu tun.

ssu/AP/dpa

Mehr lesen über

Verwandte Artikel