Superairbus Piloten warnen vor Risiko beim A380
Hamburg - "Es gibt Hinweise, dass es beim Drucksystem ein Sicherheitsproblem gibt", sagte der technische Direktor der European Cockpit Association (ECA), Heinz Frühwirth, gegenüber SPIEGEL ONLINE. "Wir werden uns an Airbus und andere beteiligte Unternehmen wenden und Aufklärung fordern", kündigt Frühwirth an, der bei der Austrian Airlines selbst Airbus-Maschinen fliegt.
Hintergrund für den Vorwurf ist ein seit langem schwelender Streit zwischen dem österreichischen Airbus-Zulieferer TTTech und seinem früheren Mitarbeiter Joseph Mangan. TTTech baut Kommunikationschips für die Steuerung des A380-Kabinendrucksystems. Der US-Amerikaner Mangan war für die Firma 2004 tätig, das Arbeitsverhältnis wurde aber nach sechs Monaten gelöst. Nach Angabe von TTTech war man mit seiner Arbeit unzufrieden.
Mangan erklärt dagegen, dass er wegen seiner Kritik an dem von TTTech gelieferten System gefeuert wurde. Dieses entspreche nicht den Sicherheitsanforderungen der Luftfahrtindustrie. Demnach könnte es bei einer Fehlfunktion zu einem plötzlichen Druckverlust in der Kabine des A380 kommen. "Wenn ein Chip ausfällt, bricht das ganze System zusammen", warnt Mangan. Ein solcher Druckverlust hatte im August zum Absturz einer Boeing 737 der zyprischen Billigflug-Gesellschaft Helios geführt.
Airbus sieht keine Probleme
TTTech weist die Vorwürfe zurück. "Wir haben unser System von unabhängigen Gutachtern überprüfen lassen. Es gibt keine Probleme mit den Chips", erklärt TTTech-Vorstand Georg Kopetz. Airbus äußert sich ähnlich. "Sicherheit hat beim A380 oberste Priorität. Mangans Behauptungen sind nicht neu und durch interne und externe Prüfungen widerlegt", sagt Konzernsprecher David Voskuhl.
Kopetz sieht in Mangans Aktivitäten einen Rachefeldzug gegen seinen Ex-Arbeitgeber: "Joseph Mangan hat während seiner Zeit als TTTech-Mitarbeiter nie von Problemen gesprochen. Das ging erst los, nachdem klar war, dass er seinen Job verloren hat." Mangan weist Rachegedanken seinerseits zurück. Mittlerweile beschäftigt sein Fall die Justiz. TTTech hat ihn in Österreich wegen Verletzung von Geschäftsinteressen verklagt. 150.000 Euro soll Mangan zahlen. Weil der Computerexperte aber nahezu bankrott ist, droht ihm eine Haftstrafe. Parallel läuft ein arbeitsrechtliches Verfahren.
Ärgerliche Sicherheitsdebatte
Für Airbus ist der Streit bei seinem Zulieferer besonders ärgerlich, weil der Flugzeugbauer derzeit eine Sicherheitsdebatte um den A380 kaum brauchen kann. Schon jetzt hinkt der Hersteller mit seinem Prestigeprojekt sechs Monate hinter dem Zeitplan her. Erst vergangene Woche hatte Airbus erklärt, dass es keine weiteren Verzögerungen geben wird.
Am 29. Oktober wird der A380 erstmals in Frankfurt am Main landen. Wenige Wochen später macht eine Maschine auch in Hamburg-Finkenwerder Station, noch im November sollen dort die mit großer Spannung erwarteten Evakuierungstests durchgeführt werden. 873 Passagiere, Flugbegleiter und Piloten müssen bei zwei Tests innerhalb von 90 Sekunden bei völliger Dunkelheit das Flugzeug über Notrutschen verlassen. Dabei steht nur die Hälfte der Ausgänge zur Verfügung.
Wird diese Auflage nicht erfüllt, hat der A380 ein ganz anderes Problem. Dann hat das größte je gebaute Verkehrsflugzeug Probleme die Zulassung von den europäischen und amerikanischen Luftfahrtbehörden zu erhalten.