Teil 2: Krieg der Systeme - DER SPIEGEL
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Teil 2 Krieg der Systeme

Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

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Der eigentliche Gewinner des Booms jedoch ist die Filmindustrie. Denn während sich die Hersteller bereits heftige Preiskämpfe liefern und Abspielgeräte für 400 Mark in den Markt drücken, kann die Videobranche nicht nur ihre Neuheiten wie "Gladiator" oder "Die Mumie", sondern auch das ganze alte Repertoire noch einmal zu stolzen Preisen verkaufen.

Obwohl die Herstellungskosten deutlich niedriger liegen als bei der Videokassette, ist die DVD mit durchschnittlich rund 40 Mark hier zu Lande fast doppelt so teuer wie ein vorbespieltes VHS-Band ­ ein Ärgernis, das sogar schon die Wettbewerbshüter der EU-Kommission in Brüssel zu Untersuchungen veranlasste, bislang allerdings ohne Erfolg. "Die DVD", gibt Disney-Chef Michael Eisner aber immerhin unumwunden zu, "ist sehr profitabel."

"Die Scheibe, die Hollywood rettete", so das Magazin "Newsweek", hat in den USA den Filmstudios allein in diesem Jahr bereits 2,2 Milliarden Dollar in die Kassen gespielt ­ fast die Hälfte der Summe, die an den Kinokassen eingenommen wurde. Auch in Deutschland, wo inzwischen gut 2500 Titel auf der Silberscheibe erhältlich sind, explodierte der Umsatz innerhalb eines Jahres von 83 Millionen auf 333 Millionen Mark.

Zufrieden sind aber nicht nur die Videohersteller. Auch die Fans sind zumeist begeistert. "Einige Wochen nach dem Kauf eines DVD-Spielers", mahnte die Jugendbeilage der "Süddeutschen Zeitung", "sollte man auch mal eine Nacht schlafen."

Einziges Ärgernis sind die so genannten Regionalcodes, die verhindern, dass zum Beispiel eine in den USA gekaufte Scheibe ohne weiteres auf einem europäischen DVD-Player abgespielt werden kann. Umbauten, die die Begrenzung aufheben, werden jedoch schon von vielen Händlern angeboten.

Ansonsten vermitteln die schicken Scheiben aber echtes Kino-Feeling mit opulentem Sound, gestochen scharfen Szenen und Standbildern, die ihrem Namen alle Ehre machen. Endlich kann man auch mal hören, wie Julia Roberts als "Erin Brokovich" in der französischen Synchronversion oder im amerikanischen Original klingt, denn auf jeder Scheibe sind bis zu acht Sprachversionen in digitalem Mehrkanalton möglich. Und dazu kann der Benutzer in der Regel noch zwischen Untertiteln in diversen Sprachen wählen.

Um ihren hohen Preis gegenüber den VHS-Versionen zu rechtfertigen, bieten viele Scheiben ein zusätzliches Programm: Hintergrundberichte über die Entstehung des Films, Kommentare des Regisseurs und immer öfter auch die Szenen, die in der Kinofassung der Schere zum Opfer fielen. Wenn "Star Wars"-Regisseur George Lucas am 16. Oktober seine "Episode 1" auf DVD herausbringt, wird das Bonusmaterial gut sechs Stunden Spielzeit umfassen.

Das Einzige, was der neuen Technik zum endgültigen Durchbruch fehlte, war der Aufnahmeknopf. Diesen Mangel sollen nun die DVD-Recorder beseitigen und damit den Videorecorder endgültig überflüssig machen. Dass die Aufnahmegeräte im Windschatten des DVD-Booms aber auf Anhieb genauso erfolgreich sein werden, wird von vielen Branchenkennern bezweifelt.

Denn anders als bei den Playern, wo sich zunächst auch rivalisierende Lager gegenüberstanden, ehe quasi in letzter Sekunde ein Kompromiss gefunden wurde, ist diesmal eine Einigung nicht in Sicht. Deshalb ist die Gefahr groß, dass die fehlende Standardisierung viele Käufer abschreckt und sie an Zeiten erinnert, in denen sie aufs falsche Videosystem gesetzt haben.

Diesmal wird der Kampf nach technischen Kriterien entschieden, in den achtziger Jahren gab dagegen vor allem die Verfügbarkeit von Videofilmen den Ausschlag. Doch die industriell bespielten Silberscheiben laufen problemlos auf allen DVD-Recordern. Kompliziert wird es nur, wenn es darum geht, die zu Hause aufgenommenen Videos auf anderen Geräten abzuspielen. Immerhin drei große Lager buhlen da mit unterschiedlichen Konzepten um die Gunst der Kunden.

Am weitesten ausgereift ist die unter Führung des japanischen Konzerns Pioneer entwickelte Technik namens DVD-RW (rewritable ­ mehrfach bespielbar), der sich unter anderen auch die Firmen Sharp und Kenwood angeschlossen haben. Bereits Ende 1999 kamen erste Recorder dieses Typs in Japan und später auch in den USA auf den Markt.

Ebenfalls schon in der Praxis erprobt ist die so genannte DVD-Ram, die von den japanischen Elektronikriesen Matsushita (Panasonic), Hitachi und Toshiba entwickelt wurde, aber auch von Firmen wie Apple und Samsung unterstützt wird.

Beide Systeme bieten zwar für engagierte Hobbyfilmer vielfältige Möglichkeiten zur Bearbeitung und Archivierung ihrer Home-Videos. Doch die von ihnen gebrannten Scheiben sind nur mit Einschränkungen auf normalen DVD-Playern abspielbar.

Nicht zuletzt deshalb haben beide Systeme den offiziellen Segen des so genannten DVD-Forums. Denn in dem Branchenverband, der alle technischen Normen des Mediums überwacht, redet die Filmindustrie ein gewichtiges Wort mit. Und die Hollywood-Konzerne möchten unter allen Umständen verhindern, dass das Kopieren von Spielfilmen zu einem ähnlichen Volkssport wird wie bei den Musik-CDs.

Digitale Kopien sind zwar auch bei der ganz neuen Technik des dritten Hersteller-Lagers ­ DVD+RW von Philips ­ nicht möglich. Doch immerhin lassen sich die auf diesen Recordern erstellten Scheiben auf den meisten DVD-Playern abspielen. Um dies durchzusetzen, riskiert die DVD+RW-Allianz, zu der insgesamt 27 Firmen gehören, sogar einen handfesten Krach mit dem DVD-Forum. Trotzig erklärt das Bündnis den fehlenden Segen des Verbandes: "Wir brauchen nicht die Erlaubnis des Forums, um im Markt erfolgreich zu sein."

Ob die Kompatibilität als Argument für den Verkaufserfolg reicht, scheint allerdings selbst innerhalb der Allianz nicht unumstritten zu sein. DVD+RW-Mitentwickler Sony jedenfalls will, ganz entgegen seinen sonstigen Ambitionen, diesmal nicht in der ersten Reihe mitmischen und verschiebt den Start seiner Recorder bis weit ins nächste Jahr.

Bei der Einführung der Videorecorder hatte Sony auf das System Betamax gesetzt ­ das sich gegen das Konkurrenzsystem VHS nicht durchsetzen konnte. Einen solchen Flop will Sony sich nicht noch einmal leisten ­ und hält sich deshalb vornehm zurück. Offizielle Begründung der Konzernzentrale in Tokio: "Wir warten die Marktentwicklung ab."

KLAUS-PETER KERBUSK

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