Telekom-Hauptversammlung: Ron Sommers trauriger Karneval - DER SPIEGEL
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Telekom-Hauptversammlung Ron Sommers trauriger Karneval

In der KölnArena, wo sonst Büttenreden gehalten werden, muss sich Telekom-Chef Sommer heute erbosten Aktionären stellen. Dank der Aktienanteile des Bundes ist jeder Putsch-Versuch gegen das Management zum Scheitern verdammt.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Köln - Auf der wohl meistbeachteten Hauptversammlung dieser Saison wird sich das Telekom-Management nicht nur gegen Kleinaktionäre verteidigen müssen. Auch Vertreter der Schutzvereinigungen, und Fonds werden die Strategie des Vorstands in Frage stellen und ihm und den Aufsehern teils die Entlastung verweigern. Vorsichtshalber wurden die Sicherheitsmaßnahmen erhöht.

Das Team um Ron Sommer hat einen schweren Stand: Der Kurs der einst beliebten Volksaktie ist drastisch gefallen, die Zahlen sind tiefrot, die Dividende wurde von 0,62 Euro auf 0,37 Euro gesenkt. Für Unverständnis sorgt auch die Aufstockung der Vorstandsbezüge. Die Zeitungen sind voller skeptischer Kommentare, die Zukunft der teuren Investitionen ist unklar, Rufe nach Rücktritt des einstigen Börsenlieblings Sommer machen wieder die Runde. In den vergangenen Tagen haben ihm selbst die eher zurückhaltenden Rating-Agenturen das Vertrauen entzogen. Sommer dürfte dem einmal mehr mit dem Argument entgegnen, dass die Telekom in einem allgemeinen Branchentief stecke, aber trotzdem ein deutliches Wachstum aufweise.

"Traumtänzer" mit teurem Geschmack

Die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) und die Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre (SdK) werden dagegen dazu aufrufen, dem Management und auch dem Aufsichtsrat teils oder komplett die Entlastung zu verweigern. Angesichts der Mehrheitsverhältnisse braucht sich Sommer keine Sorgen zu machen - allein der Bund hält noch 43 Prozent der Anteile und hat ihm das Vertrauen ausgesprochen. Doch schmerzhaft sind Äußerungen etwa der DSW-Geschäftsführerin Jella Benner-Heinacher schon, die in Sommer einen "Traumtänzer" sieht, der mit UMTS und VoiceStream auf unsichere und überteuerte Engagements baue.

Auch Finanz-Staatssekretär Heribert Zitzelsberger steht in der Kritik. Den Vertreter der Bundesregierung im Aufsichtsrat will die DSW ebenfalls nicht entlastet sehen. Denn der Staat sei mit dafür verantwortlich, dass die T-Aktie den Anlegern als ein solides Papier vorgestellt worden sei - tatsächlich sei sie aber volatil wie viele Papiere am Neuen Markt. SdK-Redner Lars Labryga sieht Sommer in der "Attitüde des verschmähten Jünglings" - ständig rede er von "Liebesentzug" des Kapitalmarktes.

Den Kern ausgehöhlt

Besonders geärgert hat sich der Aktionärsschützer darüber, dass die Telekom vor einem Jahr der finnischen Sonera still und heimlich erlaubte, trotz einer Haltefrist 22 Millionen T-Aktien zu verkaufen, die sie im Zuge der VoiceStream-Übernahme erhalten hatte: "Da war bei mir der Antrag auf Nichtentlastung programmiert." Labryga sieht aber nicht nur Schatten, sondern auch Lichtblicke. Dazu zählt er die Versprechung, dass mittelfristig das operative Ergebnis zweistellig wachsen soll.

Doch die Telekom hat zurzeit auch Schwierigkeiten in der Festnetzsparte, ihrem Kerngeschäft. Der Bereich T-Com ist zwar der einzige Bereich, der schwarze Zahlen schreibt. Durch den zunehmenden Preisdruck schrumpfen jedoch die Ergebnisse. Um die Bereich wieder flott zu machen, will das Unternehmen unter anderem bei Personalkosten ansetzen und zusätzlich Arbeitsplätze abbauen.

"Ungenügende Ertragskraft"

Fondsvertreter, die bereits auf der Hauptversammlung des Vorjahres Kritik übten, werden das Management erneut scharf angreifen. Die drittgrößte deutsche Fondsgesellschaft Union Investment etwa wird dem Vorstand die Zustimmung verweigern und sich bei der Abstimmung über die Entlastung des Führungsgremiums der Stimme enthalten.

In einem vorläufigen Argumentationspapier von Union Investment für die Hauptversammlung wird dies mit der "der ungenügenden Ertragskraft und des eingetretenen massiven Wertverlusts der (Telekom-)Aktien" begründet. Union Investment hält eigenen Angaben zufolge mehr als 40 Millionen Aktien der Telekom, was rund einem Prozent des Telekom-Kapitals entspricht.

Von wegen "Schnäppchen"

In dem Argumentationspapier für das diesjährige Aktionärstreffen heißt es unter anderem, das Management lasse eine "ausreichend gewinnorientierte Strategie" vermissen. "Denn nicht steigende Umsätze, sondern die Gewinne entscheiden über den unternehmerischen Erfolg". Bereits auf der Hauptversammlung im Jahr 2001 hatte die zur Finanzgruppe der Genossenschaftsbanken zählende Fondsgesellschaft das Telekom-Management scharf kritisiert.

Auch die Fondsgesellschaft der Deutschen Bank, DWS, übte im Vorfeld der Hauptversammlung Kritik an der Telekom-Führung. Das Papier sei derzeit mit Kursen von 12 bis 13 Euro "recht fair bewertet", sagte Fondsmanager Klaus Martini dem Hamburger Magazin "Stern". Damit tritt die DWS der Einschätzung von Konzernchef Ron Sommer entgegen, die Telekom-Aktie sei derzeit ein "Schnäppchen". Die Telekom habe den Charakter als Wachstumswert verloren, fügte Martini hinzu.