Telekom-Quartalszahlen Sommer redet Milliardenverlust schön
Frankfurt am Main/Bonn - In einem Interview hatte Sommer betont, dass die Zahl der vermittelten Telefonminuten zweistellig gestiegen sei. Die Kunden reisten weniger, telefonierten mehr und verschickten ihre Post lieber elektronisch. Das Minutengeschäft macht allerdings nur sieben Prozent des Gesamtumsatzes der Telekom aus. Aber auch die Nachfrage nach breitbandigen Internetanschlüssen (DSL) für eine schnelle Informationsübertragung wie Video-Konferenzen wachse, hieß es.
Trotzdem hat die Deutsche Telekom in den ersten neun Monaten des laufenden Geschäftsjahres einen Verlust nach Goodwill-Abschreibungen und UMTS-Kosten von 1,1 Milliarden Euro angehäuft. Die deutlich auf 1,8 Milliarden Euro gestiegenen Goodwill-Abschreibungen seien auf die Akquisition des US-Mobilfunkers VoiceStream zurückzuführen, erklärte Telekom-Sprecher Stephan Broszio.
In den ersten neun Monaten 2000 hatten die Goodwill-Abschreibungen noch 800 Millionen Euro ausgemacht. Der VoiceStream-Kauf falle in das dritte Quartal 2001, sagte Broszio. "Wir betrachten diese Goodwill-Abschreibungen aber als Nebenschauplatz." Das deutsche Bilanzierungsrecht habe dies nötig gemacht - nach US-Recht wären sie nicht angefallen. Ohne die Abschreibungen lag der Konzernüberschuss bei 1,6 Milliarden Euro.
Umsatz legt gegenüber dem Vorjahr deutlich zu
Im dritten Quartal verbuchte der Bonner Konzern einen Umsatz von 13 Milliarden Euro und einen Konzernfehlbetrag von 750 Millionen Euro nach Abschreibungen. In den ersten neun Monaten verzeichnete der Branchenprimus einen Umsatzsprung auf 35 Milliarden Euro nach 29 Milliarden im Vorjahr. Allerdings sind dabei 1,5 Milliarden Euro Umsatz der akquirierten VoiceStream eingerechnet. Das Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen liegt bei 2,2 Milliarden Euro nach 1,1 Milliarden Euro im Vorjahreszeitraum.
Für das Gesamtjahr rechnet die Telekom mit einem zweistelligen Zuwachs bei Umsatz und Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda). Ob die Deutsche Telekom im laufenden Jahr nach den hohen Abschreibungen in die roten Zahlen rutschen werde, wollte der Unternehmenssprecher nicht voraussagen.
Börsengang von T-Mobile könnte sich weiter verzögern
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Der Konzern wolle seine Schuldenlast von 65,2 Milliarden Euro weiter verringern, sagte Broszio. Bis Ende 2002 solle die Verbindlichkeiten auf 50 Milliarden reduziert werden. Geplant seien weitere Verkäufe von Randaktivitäten. In diesem Jahr hatte die Telekom bereits sechs Kabelgesellschaften für rund 5,5 Milliarden Euro an die US-Firma Liberty Media veräußert. Zusätzlich zu den restlichen Anteilen will die Telekom Immobilien verkaufen.
Weiter Unklarheit herrscht über den Börsengang der Mobilfunk-Tochter T-Mobile. Der bereits auf 2002 verschobene Gang auf das Parkett könnte sich angesichts der unsicheren Börsenlage erneut verzögern. T-Mobile komme an die Börse, wenn sich der Kapitalmarkt erholt hat, sagte Broszio. Nach den Terroranschlägen am 11. September und der Verunsicherung der Börsen durch die Milzbrandanschläge erwarten Finanzexperten allerdings eine Verschiebung des Börsenaufschwungs.