Telekom Sommer versus Schröder 1:0
Frankfurt am Main - Das hatte sich der Kanzler vermutlich anders vorgestellt. Gewissermaßen per ordre de mufti wollte Schröder den Telekom-Chef kurz vor der Bundestagswahl feuern und damit Punkte bei den Telekom-Aktionären sammeln. Doch der Coup läuft nicht wie geplant: Ron Sommer weigert sich beharrlich abzutreten, mobilisiert die Belegschaft und die Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat. Wirtschaftsverbände kritisieren, dass sich Schröder in ein privatwirtschaftliches Unternehmen einmischt.
"Die Chancen von Sommer steigen von Stunde zu Stunde, dass er weiter Vorstandsvorsitzender bleibt", sagte Telekommunikations-Analylst Frank Rothauge von Sal. Oppenheim am Freitag. "Grund ist, dass es keinen guten auswärtigen Kandidaten für die Nachfolge gibt", fügte der Analyst hinzu. Einen Verbleib des seit Monaten in der Kritik stehenden Sommer würden die Märkte zwar negativ quittieren. "Es wird einige Enttäuschung (bei Sommers Verbleib) geben, aber angesichts der verfügbaren Kandidaten schwächt sich die Euphorie über eine Ablösung von Sommer ab", so Rothauge weiter.
Analyst bescheinigt Schröder "superpeinliche" Vorstellung
Die Bundesregierung liefert nach Rothauges Einschätzung eine "superpeinliche" Vorstellung. Die Kandidatensuche sei "ein mediales Fiasko". Nach dem "Problem Sommer" sehe es derzeit zunehmend nach einem "Problem Schröder" aus, sagte der Analyst mit Blick auf die seit Tagen laufende Suche nach einem Nachfolger für Sommer. Fast alle in den Medien genannten Kandidaten haben bereits öffentlich ihr Desinteressen signalisiert.
Ralf Hallmann von der Bankgesellschaft Berlin glaubt, dass Sommer aus der seit Wochen andauernden Debatte um seine Person nicht unbeschadet herauskommt. Gleichwohl sieht auch er Schröder als größeren Verlierer an. "Sommer wird nicht mehr Everybody's Darling. Aber der Kanzler wird durch die Debatte noch mehr beschädigt", sagte Hallmann.
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Als schlechteste Lösung bezeichnete er die Einsetzung eines vorübergehenden Vorstandschefs, da dann die Spekulationen über den künftigen Unternehmenskurs anhielten. "Trotz des Personentheaters sollte nicht aus den Augen verloren werden, dass die Telekom durch ihr operatives Geschäft und Einsparungen ihrem Schuldendienst nachkommen kann", betonte Hallmann zudem.
Telekom-Zahlen werden positiv bewertet
Aus der Sicht von DZ-Bank Analyst Robert Vinall sitzt Ron Sommer wieder fester im Sattel. "Es ist wahrscheinlicher geworden, dass Sommer den jüngsten Sturm überlebt", heißt es in einem am Freitag verbreiteten Kommentar. Die Regierung sei bislang nicht in der Lage, einen passenden Nachfolger zu finden. Zudem sei die Arbeitnehmerseite nicht gewillt, den Vorstandschef "auf Grund von Schröders nebulösem Vorschlag für die Berufung eines Kosten-Senkers zu opfern".
Auch wenn die die am Donnerstag überraschend vorgelegten Telekom-Quartalszahlen Analysten zufolge zurzeit angesichts der Personalfrage in den Hintergrund geraten, werden die Ergebnisse dennoch positiv vermerkt. "Die erwartete positive Trendwende im Festnetz-Geschäft ist eingetreten", sagte Hallmann. Auch die Mobilfunksparte mit der US-Tochter VoiceStream entwickle sich "überraschend gut". Mit den jüngsten Zahlen sei die Telekom auf gutem Weg, die selbstgesteckten Prognosen für ein operatives Ergebnis (Ebitda) zwischen 15,9 und 16,9 Milliarden Euro zu erreichen. Der Umsatz soll den Telekom-Planungen zufolge gegenüber dem Vorjahreswert von 48,3 Milliarden Euro im Jahr 2002 um zehn Prozent steigen.
Die Telekom hatte am Donnerstag inmitten der Spekulationen über die Ablösung Sommers überraschend erste Geschäftszahlen für die Monate Januar bis Juni vorgelegt. Das Ergebnis vor Steuern, Zinsen, Abschreibungen und Amortisationen (Ebitda) in der zuletzt unter Margendruck leidenden Festnetzsparte sei im ersten Halbjahr 2002 gegenüber dem Vorjahreshalbjahr bei fünf Milliarden Euro stabilisiert worden. Ebitda-Zahlen werden nicht nach den gesetzlichen Bilanzierungsstandards errechnet, sondern vom Unternehmen nach eigenen Maßgaben erstellt. Die Mobilfunksparte T-Mobile verzeichnete nach Angaben der Telekom beim operativen Ergebnis das beste Halbjahresergebnis der Unternehmensgeschichte. Dazu habe vor allem die US-Tochter VoiceStream mit einem Quartalszuwachs beim operativem Ergebnis um mehr als 50 Prozent auf 106 Millionen Euro beigetragen. Mehrere Analysten hatten der Telekom wiederholt zu einem Verkauf von Voicestream geraten.