Todesspirale Euro sinkt unter 0,87 Dollar
Frankfurt am Main - Der Euro sinkt immer weiter. Und das, obwohl das Wachstum in Euroland kräftiger geworden ist und die Zinsdifferenz zum Dollarraum schwindet. Am Mittwoch fiel der Euro zwischenzeitlich auf ein Rekordtief von 0,8690 US-Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 0,8818 Dollar fest - so tief wie nie zuvor.
"Wir sehen einen richtigen Erdrutsch", sagte Stephan Lipfert, Analyst bei der Vereins- und Westbank. Entscheidend sei die Psychologie des Marktes, nachdem bei 0,8850 Dollar ein entscheidender Widerstand gebrochen wurde.
Bundeskanzler Gerhard Schröder habe mit seinem Kommentar, dass die Euro-Schwäche gut für die Wirtschaft sei, den Euro weiter unter Druck gesetzt. Schließlich habe EZB-Chef Duisenberg noch am Wochenende gesagt, dass der Euro deutlich unterbewertet sei, sagte Lipfert. Im Ausland verstärke sich daher der Eindruck, dass die Entscheider in Euroland nicht an einem Strang ziehen.
Es ist ein Teufelskreis: Die schwache Währung zwingt die Europäische Zentralbank (EZB) zu weiteren Zinserhöhungen, um die Gefahr der importierten Inflation in Grenzen zu halten. Höhere Zinsen wiederum trüben die Konjunkturperspektiven. Damit könnte die Wachstumsdifferenz zu den USA sogar wieder zunehmen und weiter Kapital nach Nordamerika locken.
Auch die neuesten, überwiegend positiven Konjunkturdaten aus der größten Volkswirtschaft des Euroraums konnten die Investoren nicht beeindrucken: Die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland lag im August um 243.100 unter dem Vorjahresniveau; und die Bestellungen bei der deutschen Industrie zogen von Juni auf Juli nochmals um 0,7 Prozent an.
Doch die jüngste Auftragsstatistik ist nicht nur positiv: Die deutsche Konjunktur lebt weiterhin überwiegend vom Exportgeschäft. Der Ordereingang im Inland gab im Berichtszeitraum um 0,8 Prozent nach. Dies stärkt die Position der Skeptiker, dass der Übergang zu einem binnengetriebenen Aufschwung nicht vorankommt. Dabei werden die stark steigenden Energiepreise als zusätzlicher Bremsfaktor gewertet.
Der Schlüssel für eine Erholung des Euro liegt damit unverändert in den USA. Erst wenn das immer noch robuste Wachstum in Nordamerika abflaut, bestehen gute Chancen für eine Trendumkehr. Doch von den langfristigen Trends lassen sich die hektischen Akteure der Finanzmärkte nicht beeindrucken, ist die EZB-Expertin Petra Köhler von der Dresdner Bank überzeugt. Commerzbank-Volkswirt Jürgen Pfister fürchtet gar, dass der Devisenhandel weiter nach unten übertreibt.