UMTS Der Fluch der Gewinner
Nach der grenzenlosen Euphorie folgte der tiefe Fall. Nachdem die UMTS-Lizenzen ersteigert waren, gaben die Aktien der Gewinner kräftig nach. Ratingagenturen stuften ihre Bewertungen herunter, und Anleger bekamen selbst bei der Volksaktie der Telekom kalte Füße und verkauften.
Die Sorgen der Anleger sind wohl begründet. Nach der Einschätzung von Branchenexperten ist der Traum von den dicken Gewinnen im UMTS-Geschäft schwer haltbar. Gerade zu Beginn müssen zunächst einmal die Kunden für die neue Handy-Welt gewonnen werden. Das bedeutet für die erste Zeit, dass zu den Lizenzkosten und den Kosten für den Aufbau der Netze auch noch Werbeaufwendungen dazukommen. Außerdem muss der Umstieg zu UMTS schmackhaft gemacht werden. Dies bedeutet nach der Meinung von Analysten, dass die Kosten für Telefonate über UMTS-Handys nicht wesentlich teurer sein dürfen als über das herkömmliche Mobilfunknetz. Gewinne werden - wenn überhaupt - erst ab 2010 erwartet. Einigen der UMTS-Lizenznehmer dürften nach Einschätzung der Experten dabei die Luft ausgehen.
So sieht beispielsweise Wolfram Römhild, der sich bei der Unternehmensberatung McKinsey mit dem Thema beschäftigt, mehr Risiken als Chancen für die neuen Netzbetreiber. Sie haben nur das Recht ersteigert, den Zugang zum Telefonnetz über UMTS zu verkaufen. Dies macht aber nur einen kleinen Teil der Umsätze auf dem UMTS-Markt aus. Viel wichtiger aber ist der Markt für Zusatzleistungen wie Bilder, Videos oder die mobile Internetnutzung. Hier sieht Römhild die Netzbetreiber im knallharten Wettbewerb und hat große Zweifel daran, dass sie ihre Umsatzziele erreichen werden.
Andreas Hoffmann, Senior Consultant bei Mummert + Partner, sieht das größte Risiko in der Technik. Sollten sich hier Verzögerungen ergeben, so müssten das vor allem die Netzbetreiber ausbaden. Dies verstärke die Gefahr, von anderen Unternehmen, die aus dem Bieterrennen ausgestiegen waren, überholt zu werden.