Audi-Chef Stadler "Hohe Rabatte sind Gift"
Audi-Chef Stadler: "Wir bekommen nichts geschenkt"
Foto: Karl-Josef Hildenbrand/ picture-alliance/ dpaSPIEGEL ONLINE: Herr Stadler, vor zwei Jahren hatten Sie angekündigt, BMW und Mercedes überholen zu wollen ...
Stadler: ... bis 2015.
SPIEGEL ONLINE: Und jetzt sieht es so aus, als ob Sie die Vorgabe vor allem dank der Autokrise erreichen können.
Stadler: Was ist daran schlimm? Ich bin überzeugt, das hätten wir auch ohne Krise geschafft.
SPIEGEL ONLINE: Es sieht nur so aus, als ob Sie eine gute Portion Glück gehabt haben.
Stadler: Das hat nichts mit Glück zu tun, die Krise hat alle vor die gleichen Herausforderungen gestellt. Sie hat die Spreu vom Weizen getrennt und sie hat einiges beschleunigt. Audi hat in den vergangenen Jahren intensiv in die Erweiterung der Produktpalette investiert, junge kreative Menschen angeheuert und seine Hausaufgaben auf der Kostenseite gemacht. Davon profitieren wir jetzt, denn in Krisenzeiten kommt es noch mehr auf attraktive Produkte an als sonst.
SPIEGEL ONLINE: Und deswegen ist ein A4 attraktiver als die direkten Wettbewerber wie die C-Klasse von Mercedes oder der 3er-BMW?
Stadler: Schauen Sie sich die Zahlen an. Bei den Premium-Anbietern sind wir Marktführer in Europa, in China und in mehreren anderen Ländern. Von Januar bis August hatten wir einen Rückgang von 7,5 Prozent. Im Vergleich zum Gesamtmarkt mit einem Minus von 15 bis 20 Prozent haben wir also gut abgeschnitten, und das obwohl die staatlichen Konjunkturprogramme im Premium-Segment nur sehr schwach angekommen sind. Alles in allem können wir also sehr zufrieden sein.
SPIEGEL ONLINE: Das dürfte kaum für Ihr Flaggschiff gelten: Die Verkaufszahlen des A8 sehen genauso desolat aus wie die von Mercedes und BMW.
Stadler: Zum großen Teil liegt das daran, dass der A8 nun schon sechs Jahre auf dem Markt ist. Klar ist aber auch, dass besonders die Luxusklasse von der Kaufzurückhaltung der Kunden betroffen ist. Ich bin aber überzeugt, dass die meisten Kaufentscheidungen lediglich aufgeschoben sind. Die Nachfrage zieht wieder an und wird weiter zulegen.
SPIEGEL ONLINE: Im Gegensatz zur direkten Konkurrenz agieren Sie als Tochtermarke von Volkswagen in einem Konzern - und profitieren von der Entwicklungsarbeit der Schwesterunternehmen und von dem großen Einkaufsverbund.
Stadler: Das ist klar ein Vorteil, aber geschenkt bekommen wir nichts. Für jede Leistung, die wir im Konzern erhalten, liefern wir unsererseits etwas in den Konzern. Auch wir geben Entwicklungsleistung weiter. Ich kann Ihnen versichern: Auf die Kosten müssen wir auch achten. Das ist auch gut so, denn nur so bleiben wir wettbewerbsfähig.
SPIEGEL ONLINE: Der Leistungsdruck könnte für Sie noch stärker werden, wenn Porsche in den Volkswagen-Konzernverbund integriert ist.
Stadler: Dem Wettbewerb mit Porsche stellen wir uns ja nicht erst seit gestern. Wir haben unsere Klientel und Porsche genauso. Im Übrigen kooperieren wir bereits auf etlichen Feldern.
SPIEGEL ONLINE: Bislang hat Volkswagen seine Marken immer sorgfältig austariert. Porsche und Audi dagegen sprechen mit einigen sportlichen Modellen die gleichen Kunden an.
Stadler: Das ist kein Problem. Beide Marken sind ja auch in der Vergangenheit gewachsen. Und ich sehe keinen Grund, warum sich das nach der Integration von Porsche ändern sollte.
SPIEGEL ONLINE: Mit dem Wachstum könnte es in Zukunft für Audi dennoch schwieriger werden. Die Märkte in Europa und Deutschland sind weitgehend ausgereizt. Und Osteuropa hat sich bei weitem nicht so entwickelt, wie vorausgesagt, und auch in den USA hatten Sie ursprünglich höhere Ziele.
Stadler: Osteuropa ist von der Krise hart getroffen worden, das ist richtig. Die Märkte dort sind brutal eingebrochen. Trotzdem sind wir mit unserem Geschäft zufrieden, weil wir uns stabilisieren konnten. In den USA gewinnen wir trotz der Schwierigkeiten, mit denen alle zu kämpfen haben, weiter Marktanteile hinzu. Qualitatives Wachstum - Image, Verbesserung des Service und der Qualität - haben bei uns Priorität. Wir werden uns keine Marktanteile kaufen. Auch unsere starke Position in China zahlt sich jetzt aus, denn dort sind wir auch in der Krise gewachsen. Nehmen Sie die aktuellen Zahlen. Im August haben wir im Vergleich zum Vorjahr 35 Prozent mehr Autos verkauft.
SPIEGEL ONLINE: Im kommenden Jahr dürften die Autohersteller die Quittung für die Abwrackprämie präsentiert bekommen. Bekommt auch Audi den zu befürchtenden Absatzeinbruch zu spüren?
Stadler: Die Abwrackprämie war ein wichtiges Instrument, um den heftigen Konjunktureinbruch abzufedern. Dass dabei Käufe vorgezogen werden, lag auf der Hand. Insofern konnte sich jeder ausrechnen, dass die Nachfrage nach dem Auslaufen wieder zurückgehen würde. Die Premium-Hersteller sind davon allerdings weniger betroffen, weil sie auch weniger von der Prämie profitiert haben.
SPIEGEL ONLINE: Trotzdem hat insgesamt das Preisgefüge Schaden genommen. Hersteller haben die Abwrackprämie zusätzlich durch eine wahre Rabattschlacht befeuert. Werden die Kunden denn in Zukunft auf Preisnachlässe verzichten wollen?
Stadler: Zu hohe Rabatte sind Gift für die Industrie, zumal wenn sie eine Größenordnung erreichen, bei der ein Hersteller am Ende draufzahlt. Gewisse Maßnahmen, wie etwa attraktive Ausstattungspakete zum Auslauf eines Modells, zerstören dagegen nicht die Restwerte. Dahin sollten die Autohersteller zurückfinden.
SPIEGEL ONLINE: Neben der Prämie gab es in der Autobranche auch direkte Staatshilfen, etwa für Opel. Ärgert es Sie, wenn Wettbewerber von Steuergeldern profitieren?
Stadler: Grundsätzlich sollten solche Hilfsaktionen aus industriepolitischen Erwägungen heraus mit großer Vorsicht behandelt werden, damit es nicht zu Marktverzerrungen kommt.
SPIEGEL ONLINE: Und solche Umsicht hat die Regierung bei Opel walten lassen?
Stadler: Um das beurteilen zu können, müsste ich mehr Einzelheiten kennen. Ich denke, dass die politischen Institutionen bis hin zur Europäischen Kommission dies ausreichend prüfen werden, damit keine Wettbewerbsverzerrung entsteht.