BMW: Neuer Chef Oliver Zipse - Der Eigenständige - DER SPIEGEL
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Neuer BMW-Chef Zipse Der diskrete Macher

Oliver Zipse hat BMW schon einmal geholfen, eine Fehlentscheidung zu korrigieren. Was hat der neue Konzernchef nun mit dem Münchner Autobauer vor?
Foto: Christof STACHE / AFP
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In einem seiner seltenen Interviews hat Oliver Zipse einmal eine fast prophetische Aussage gemacht. "Und dann ist da auch sicherlich das Glück des Tüchtigen im Spiel", sagte er im Oktober vergangenen Jahres, damals noch als BMW-Produktionschef, dem "Handelsblatt". Es ging um die Frage, wieso BMW als erster Autokonzern eine Mehrheitsbeteiligung auf dem lange so abgeschotteten chinesischen Markt übernehmen konnte. Doch es hätte auch um seinen eigenen Aufstieg gehen können.

Seit Donnerstagabend steht fest: Der 55-Jährige wird neuer BMW-Chef. Er folgt auf den glücklosen Harald Krüger. Für BMW ist es ein Führungswechsel in schwierigen Zeiten. Für Zipse ist es der vorläufige Höhepunkt einer Karriere, in deren Verlauf er sich zielstrebig nach oben gearbeitet hat. Und es ist der Sieg über einen Rivalen, der noch Folgen haben könnte.

Als bisheriger Produktionsvorstand war Zipse eine naheliegende Wahl für den Vorstandsvorsitz. Drei der vier vergangenen BMW-Chefs hatten diesen Posten zuvor ebenfalls inne.

Der gebürtige Heidelberger Zipse erarbeitete sich als Produktionschef den Ruf als zuverlässiger Macher - sei es beim Joint-Venture in China oder im mexikanischen San Luis Potosí. Dort weihte Zipse erst vor wenigen Wochen ein neues Werk ein, von seinem Bau hat sich BMW trotz der Schutzzolldrohungen von US-Präsident Donald Trump nicht abbringen lassen.

Die globalen Handelskonflikte sind nur eine von vielen Baustellen, die auf Zipse als BMW-Chef warten. Der einstmals so selbstbewusste Autobauer ist in die Defensive geraten, zu Jahresbeginn verzeichnete BMW erstmals seit zehn Jahren einen Verlust.

Für Unsicherheit sorgt insbesondere die Frage, mit welchen Antrieben die Münchner in Zukunft ihr Geld verdienen wollen. Mit dem i3 brachte BMW zwar 2011 eines der ersten Elektroautos auf den Weg und galt seither als Pionier auf diesem Gebiet; doch der i3 erwies sich nicht als rentabel.

Heute lassen sich Unternehmen wie Tesla als Marktführer feiern. BMW indes hat sich aufs Ausprobieren verschiedener Antriebsarten verlegt: Neben E-Autos und den noch immer verbreiteten Benzinern und Dieseln will das Unternehmen künftig auch verstärkt auf Wasserstoff setzen, will quasi auf allen Hochzeiten gleichzeitig tanzen. Doch um sich dauerhaft für alle Optionen zu rüsten, produziert die Firma eigentlich zu wenig Autos.

"BMW ist aus der Position des Platzhirschen in die des Herausforderers gekommen", sagt Stefan Bratzel, Leiter des Institute of Automotive Management. In dieser Situation brauche es einen Chef, der "Führung nach innen und außen zeigen kann".

Intern ist Zipse zweifellos anerkannt, die Unterstützung durch das Arbeitnehmerlager war entscheidend für seine Kür. Doch als Produktionsvorstand wirkte er bislang vor allem hinter den Kulissen. Mit Blick auf die Außenwirkung wäre ein anderer Kandidat deshalb naheliegender gewesen: Entwicklungsvorstand Klaus Fröhlich ist für selbstbewusste bis forsche Auftritte bekannt und zudem entscheidend an der künftigen BMW-Strategie beteiligt.

"Wenn man die BMW-Kultur kennt, ist die Entscheidung für Zipse nicht ganz überraschend", sagt Bratzel. Die Eigentümerfamilie Quandt legt Wert auf eine eher diskrete, konsensorientierte Unternehmensführung. Aber ist so viel Harmoniestreben überhaupt gut?

Zipses Vorgänger Krüger jedenfalls musste letztlich gehen, weil er als führungsschwach galt - auch weil er sich nicht ausreichend vom Vorgänger und heutigen Aufsichtsratschef Norbert Reithofer abheben konnte. Kann Zipse es besser machen?

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Autoexperte Bratzel hält Zipse für einen "eigenständigen Kopf". Es sei nicht zuletzt ihm zu verdanken, dass BMW nicht mehr auf Kohlenstofffasern setze, die Reithofer lange als Schlüsselmaterial der Zukunft pries.

Generell könne man Zipse daher "schon zutrauen, dass er sich gegenüber seinen Vorgängern emanzipiert", sagt Bratzel. Eigene Akzente könnte der neue BMW-Chef auch beim Megathema Digitalisierung setzen - immerhin studierte er einst Informatik und Mathematik in Utah.

Wie gut der Machtwechsel bei BMW gelingt, dürfte aber auch vom unterlegenen Rivalen Fröhlich abhängen. Der Aufsichtsrat will den 59-Jährigen auf jeden Fall im Unternehmen halten - schon wegen seines Know-hows über die künftige Strategie.

Dafür könnte Fröhlichs Vertrag bis 2022 verlängert werden - trotz der inoffiziellen Altersgrenze von 60 Jahren für diesen Posten, die im Rennen um den Vorstandsvorsitz noch als Hindernis galt. Doch bislang gibt es nach Angaben aus der Konzernzentrale noch keine entsprechende Einigung mit Fröhlich.

Damit ist nicht ausgeschlossen, dass sich bei BMW die Geschichte wiederholt: Schon als Krüger zum Konzernchef wurde, unterlag mit Herbert Diess ein selbstbewusster Gegenkandidat. Diess wechselte daraufhin zu Volkswagen, stieg dort ebenfalls zum Vorstandschef auf - und zoffte sich als solcher schließlich öffentlich mit Krüger darüber, wie die Mobilität der Zukunft aussieht.

Mitarbeit: Simon Hage und Martin Hesse

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