Boom in der City: Neue Wolkenkratzer für Londons Finanzgiganten - DER SPIEGEL
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Londons neue Skyline: Gürkchen kriegt Gesellschaft

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Boom in der City Neue Wolkenkratzer für Londons Finanzgiganten

London hakt die Finanzkrise endgültig ab: Überall wachsen Bürotürme in den Himmel. Trotzdem werden die Neubauten wohl nicht reichen - denn die Geldindustrie expandiert in atemberaubendem Tempo. Allein in den kommenden drei Jahren will die Branche 11.000 Mitarbeiter zusätzlich einstellen.
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Hamburg - Am Südufer der Themse, im Viertel an der London Bridge, entsteht zurzeit ein neuer Gigant: der "Shard" - zu Deutsch "Glassplitter" -, ein Wolkenkratzer, angepeilte Höhe 306 Meter, und damit künftig das höchste Gebäude Londons. Er wird Büroraum bereithalten für die Unternehmen der Finanzindustrie, die die City der britischen Hauptstadt beherrschen. Der "Shard" versinnbildlicht Londons neuen Bankenboom.

Vor gut drei Jahren setzten die Finanzgiganten ihre Angestellten noch mit Pappkartons auf die Straße - jetzt brauchen die Konzerne neue Büroflächen.

Laut einer Studie der BNP Paribas   würden bis 2014 gleich vier Exemplare des "Shard" benötigt, um genug Arbeitsräume bereitzustellen - denn Londons Banken werden in diesem Zeitraum voraussichtlich 11.000 neue Mitarbeiter einstellen. Knapp 150.000 Quadratmeter Bürofläche werden dann fehlen - so groß ist der Bedarf, der zusätzlich zu dem durchschnittlichen jährlichen Mehrbedarf von knapp 300.000 Quadratmetern anfallen wird. Das berichtet die "Financial Times", der die Studie vorliegt.

Mit anderen Worten: Wenn in der Stadt nicht genug Extra-Büroflächen entstehen, gehen der Finanzindustrie die Wolkenkratzer aus.

Die Immobilienexperten der BNP Paribas befragten die in der Londoner City ansässigen Firmen aus dem Finanzsektor über ihre Geschäftserwartungen für die kommenden drei Jahre. Das Ergebnis ist eine Demonstration der Zuversicht: Etwa drei Viertel gingen davon aus, dass ihr Geschäft wächst, 55 Prozent planen Neueinstellungen.

Besonders erfreulich für den Bankenstandort London ist die Tatsache, dass 70 Prozent der Firmen, die neue Mitarbeiter einstellen wollen, ihre Zentralen nicht in Großbritannien haben - die City ist also auch für internationale Konzerne äußerst attraktiv.

Parallelen zur Erholung nach der Dotcom-Blase

Der Hauptanteil der erwarteten Neueinstellungen entfällt laut Studie auf die kleinen Finanzdienstleister. Die großen Geldinstitute planen, nur wenige Mitarbeiter zu rekrutieren. Darin sieht Fred Hargreaves, Chef der Immobiliensparte von BNP Paribas, laut "FT" eine Parallele zu der Erholung nach dem Platzen der Dotcom-Blase in den Jahren 2003 und 2004 - damals waren es auch eher die kleineren Firmen, die den Wiederaufstieg der Londoner City anführten. Vor allem Hedgefonds und Privatbanken hätten derzeit einen enormen Bedarf an zusätzlicher Bürofläche.

Eine gute Nachricht sind die Zahlen für die Bauherren der vier weiteren Wolkenkratzer, die derzeit in der britischen Hauptstadt wachsen - und von denen drei ebenso wie der "Shard" im Bankenviertel liegen. Vor allem 2012 und 2013 sei das Angebot voraussichtlich so knapp, dass die BNP-Experten einen starken Anstieg der Büromieten erwarten. Allein in diesem Jahr stiegen sie um 25 Prozent.

Ganz billig dürfte der Boom für die Geldindustrie also nicht werden. Und noch etwas bereitet den Bankern derzeit Sorgen: Sie fürchten die britische Regierung - genauer gesagt deren mögliche Pläne für die Regulierung und Besteuerung von Banken. Obwohl sich die konservativ-liberale Koalition bislang nicht als Züchtiger der Finanzindustrie geriert, äußerten mehr als drei Viertel der Befragten Ängste vor einer "schlecht durchdachten Bankenregulierung", mehr als zwei Drittel befürchten "steigende Steuern für Banken und Banker".

fdi