TV-Hersteller in der Krise Chinesen sollen Loewe retten
Fernseher von Loewe: Partnerschaft mit chinesischer Firma
Foto: © Thomas Peter / Reuters/ REUTERSMünchen - Der kriselnde TV-Geräte-Hersteller Loewe hat Hilfe in China gefunden. Die Traditionsfirma vereinbarte eine strategische Partnerschaft mit Hisense International, einem weltweit führenden Anbieter von Flachbildschirmfernsehern und Haushaltsgeräten. Loewe will mit den Chinesen künftig bei Einkauf, Produktion, Entwicklung und Vertrieb kooperieren. Der Vorstand will das Abkommen am Mittwoch auf der außerordentlichen Hauptversammlung in Berlin erläutern.
An der Börse schoss der Aktienkurs nach Bekanntwerden der Nachricht um mehr als 30 Prozent nach oben. Loewe produziert teure Oberklasse-Fernseher und schreibt seit Jahren Verluste. Mitte Juli beantragte das Unternehmen aus Kronach Gläubigerschutz, um unter diesem Schutzschirm die Sanierung voranzubringen. Dazu gehören Kostensenkungen ebenso wie der Abbau jeder fünften Stelle.
Die Partnerschaft mit Hisense sei "ein zentraler Meilenstein in der weiteren Restrukturierung", sagte Vorstandschef Matthias Harsch. Künftig könne Loewe auch günstigere Fernseher anbieten. Kosten sie bisher zwischen 1000 und 5000 Euro, sollen bald auch TV-Geräte ab 800 Euro auf den Markt gebracht werden. Eine neue Fernseherlinie soll bei der Internationalen Funkausstellung im September in Berlin präsentiert werden.
TV-Geräte aus Asien kosten viel weniger
Die billigeren Produkte wollen die Franken dann verstärkt in Elektro-Großmärkten anbieten statt wie bisher vor allem im Fachhandel. Zudem soll Hisense Loewe dauerhaft Zugang zu neuester Technologie und den Absatzmärkten in China verschaffen. Loewe zählt mit Metz und TechniSat zu den letzten drei Vertretern der deutschen Fernsehgeräteindustrie, die lange den Weltmarkt anführte. In Europa ist nach dem Abschied des niederländischen Anbieters Philips sonst nur noch der dänische Konzern Bang & Olufsen übrig.
Vor allem koreanische Konkurrenten wie Samsung oder LG setzen den hiesigen Herstellern zu, die sich im Luxussegment eine Nische gesucht haben. Die TV-Geräte aus Asien kosten meist nur einen Bruchteil. Der chinesische Anbieter Hisense erhofft sich den Angaben zufolge von der Partnerschaft mit Loewe mehr Geschäft in Westeuropa, vor allem in den deutschsprachigen Märkten und den Benelux-Ländern. In einem ersten Schritt übernehmen die Franken für die Chinesen den Vertrieb zur Einführung neuester Ultra-HD-Technologie im Testmarkt Österreich. Außerdem könne Hisense Zugang zu der von Loewe entwickelten TV-Software erhalten.