Erfolgreiche Klage Bahn muss Tickets weiter auf Papier anbieten
ICE am Kölner Hauptbahnhof
Foto:Christoph Hardt / Panama Pictures / IMAGO
Die Deutsche Bahn und die Digitalisierung ist oft ein Thema für sich, nicht selten wird der Staatskonzern für sein langsames Tempo bei der entsprechenden Umstellung der Technik kritisiert. Nun ist das Unternehmen angehalten worden, bestimmte Tickets weiter auf Papier anzubieten: Das Oberlandesgericht Frankfurt untersagte der Bahn, Sparpreis- oder Supersparpreis-Tickets davon abhängig zu machen, dass die Kunden eine E-Mail-Adresse oder eine Handynummer nennen.
Diese Angaben hatte die Bahn bis zum Fahrplanwechsel am 15. Dezember 2024 selbst dann verlangt, wenn Kunden am Schalter eine Fahrkarte kaufen wollten. Das elektronische Ticket wurde dann an die entsprechende Adresse versendet.
Dagegen hat der Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV) erfolgreich geklagt. Die Verbraucher hätten hier keine »echte oder freie Wahl« gehabt, hat nun der 6. Zivilsenat des OLG Frankfurt rechtskräftig entschieden. Das Ticket selbst diene lediglich dem Nachweis der Bezahlung des Beförderungsvertrags. Dafür könnten Privatpersonen nicht gezwungen werden, ihre Daten preiszugeben.
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Die Bahn hat nach eigenen Angaben den Prozess nach Kundenbeschwerden bereits vor dem Urteil geändert. Am Schalter können die Kunden nun auch einen Ausdruck ihrer Fahrkarte erhalten. Eine Unternehmenssprecherin erklärt dazu: »Auch wenn es nur sehr wenige Menschen gibt, die keine Mailadresse haben, möchten wir diesen weiterhin die Möglichkeit geben, Sparpreis-Tickets zu buchen.« Man empfehle aber weiterhin die Angabe einer Mailadresse, um die Kunden informieren zu können, zum Beispiel bei Gleiswechseln oder Verspätungen. An Automaten sind die Sparpreise weiterhin nicht erhältlich.
Pünktlichkeit sinkt weiter
Bei der Pünktlichkeit seiner Züge hat der Konzern derweil weiter Probleme. Rund 43 Prozent der Fernzüge der Deutschen Bahn waren im Juni unpünktlich unterwegs, wie das Unternehmen mitteilte. Demnach erreichten die ICE- und IC-Züge lediglich 57,1 Prozent der Halte rechtzeitig – bei der Bahn bedeutet das: mit maximal 5:59 Minuten Verspätung. Im Mai lag die Pünktlichkeit noch bei 62,0 Prozent.
Für das gesamte erste Halbjahr rechnet der Konzern nach Angaben von Bahn-Chef Richard Lutz mit knapp 64 Prozent Pünktlichkeit im Fernverkehr. Genaue Zahlen wurden noch nicht veröffentlicht.
Aktenzeichen: 6 UKI 14/24