Forderung von Transporteuren Bahn soll Strecken nach Unwettern schneller reparieren
Baum auf Gleisen (Archiv)
Foto: Guido Kirchner/ dpaPeter Westenberger sammelt Zugverspätungen. Güterzug 69180 von München nach Hamburg +38 Stunden Verspätung, steht in seiner Tabelle. Und so geht es weiter: +34 Stunden, +33 Stunden, +12 Stunden. Auf der nächsten Seite: Ausfall wegen Verspätung. Noch eine Seite weiter: Soll Abfahrt 12:58, tatsächliche Abfahrt am nächsten Tag um 16:38. Es sind die extremen Auswirkungen des Unwetters "Nadine", das vergangene Woche vor allem in Norddeutschland den Bahnverkehr lahmgelegt hat.
Westenberger pflegt diese Sammlung nicht als Hobby, er ist Geschäftsführer des Netzwerks Europäischer Eisenbahnen, einem Verband von Gütertransporteuren, die in Konkurrenz zur Deutschen Bahn auf dem Schienennetz fahren. Und die sind mit der Leistung des Staatskonzerns ganz und gar nicht einverstanden, insbesondere nach Stürmen.
Nach Ansicht der Unternehmen sollte die Bahn Schäden deutlich schneller reparieren als bisher. Als Ziel solle "die Wiederbefahrbarkeit von witterungsbedingt gesperrten Strecken nach spätestens 24 Stunden" vorgegeben werden. Das fordert das Netzwerk in einem Brief an die Infrastruktursparte der Bahn, DB Netz, der dem SPIEGEL vorliegt.
Wirtschaftliche Schäden, aber auch "ein weiterer Imageverlust des Systems Schiene" müssten vermieden werden, heißt es weiter. Dieses habe zu oft stillgestanden, "während auf der Straße und in der Luft der Verkehr kaum beeinträchtigt weiterlief".
Auch Fahrgäste würden profitieren
Die Deutsche Bahn hingegen verteidigt ihre eigenen Ziele. Diese legen die Messlatte niedriger und fordern, dass lediglich Hauptstrecken und wichtige Knotenpunkte innerhalb von 24 Stunden frei zu machen sind. Man habe die Leitlinien nach den Stürmen im vergangenen Jahr vereinbart, so eine Sprecherin. Sie seien mit den Eisenbahnunternehmen besprochen worden.
Von schnelleren Reparaturen würden auch Fahrgäste profitieren, da Personen- und Güterzüge vielerorts auf denselben Gleisen fahren. So hatten 2017 die Herbststürme "Xavier" und "Herwart" jeweils tagelang den Bahnverkehr lahmgelegt, mehr als zwei Millionen Bahnkunden waren betroffen.
Und auch "Nadine" hat Personen- wie Güterverkehr aus dem Tritt gebracht. Die stärksten Auswirkungen gab es auf der Strecke zwischen Hannover und Wolfsburg, sie war tagelang gesperrt. Hier fahren neben ICE- und IC- sowie Regionalzügen auch viele Güterzüge, etwa zum Volkswagen-Werk.
Mittlerweile ist die Strecke laut Bahn wieder befahrbar, allerdings nur mit niedriger Geschwindigkeit. Vollständig abgeschlossen sollen die Reparaturen erst am 26. August sein - 17 Tage nach dem Unwetter.