Personalkarussell bei GM: Reilly kommt, Forster geht
GM-Manager Nick Reilly Sanierer von Welt
Düsseldorf - General Motors braucht einen neuen Europa-Chef - doch nicht irgendeinen. Gesucht wird angesichts des Scherbenhaufens, den der US-Konzern mit seiner Kehrtwende beim Opel-Verkauf hinterlassen hat, ein Spezialist für schwierige Fälle. Der neue Mann muss die aufgebrachten Gewerkschaften beruhigen, mit verärgerten Politikern über Subventionen feilschen und gleichzeitig Opel mit harter Hand sanieren.
Als aussichtsreichster Kandidat für den undankbaren Posten gilt derzeit der Auslandschef von General Motors, David N. (Nick) Reilly. Der 59-jährige Manager hat Erfahrung mit schwierigen Aufgaben. Vor knapp zehn Jahren schloss er als Chef der GM-Tochter Vauxhall in Großbritannien das traditionsreiche Werk in Luton und musste sich dafür von den Angestellten als "Judas" beschimpfen lassen.
Seine Berufung auf den Chefposten ruft deshalb unter Experten ein gemischtes Echo hervor. Michael Stürmer vom Marktforschungsinstitut Global Inside etwa fürchtet, dass Detroit damit nahtlos an den Kurs der vergangenen Jahre anknüpft. "Die 80-jährige Geschichte der Demütigung wird fortgesetzt", erklärt er. Opel brauche eine Persönlichkeit an der Spitze, die die europäische Unternehmenskultur pflege und das Unternehmen auf die Anforderungen des europäischen Marktes ausrichte. "Das Potential hat Opel, doch es wurde bislang nie genutzt", sagt Stürmer.
Auch Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer fürchtet negative Auswirkungen für Opel. "Das Risiko, dass aus Kostengründen wieder Chevrolets und US-Autos unter der Marke Opel verkauft werden, dass die Qualität und Innovation leidet, ist sehr hoch, denn GM muss sparen", sagt der Gelsenkirchener Autofachmann. Sparen bedeute, dass GM weniger Geld für Entwicklung ausgeben und Autos auf den europäischen Markt bringen werde, die für Korea, China und die USA gedacht gewesen seien. "Damit wird Opel gegenüber so starken Herstellern wie VW oder Toyota im harten Europa-Geschäft wenige Chancen haben."
Mann für schwierige Fälle
Dagegen hebt Willi Dietz vom Institut für Automobilwirtschaft in Stuttgart die Sanierer-Qualitäten des Managers hervor: "Man darf sich nicht vormachen - auch Magna hätte harte Einschnitte vornehmen müssen", erklärt er.
In dieser Hinsicht hat sich Reilly tatsächlich einen guten Ruf erworben. Bei der Übernahme des koreanischen Konkurrenten Daewoo durch General Motors und die darauffolgende harte Sanierung des damals darniederliegenden Unternehmens spielte er eine Schlüsselrolle. Das Bemerkenswerte: Nach Branchenangaben gelang es ihm, ein gutes Verhältnis zu den kampferprobten koreanischen Gewerkschaften zu bewahren.
Ob ihm das auch im Zusammenspiel mit den europäischen Arbeitnehmervertretern gelingen könnte, ist aber noch keineswegs ausgemacht. Denn nach Einschätzung von Jürgen Pieper, Analyst beim Bankhaus Metzler, dürfte allein seine enge Bindung zur Konzernzentrale in Detroit schon für verhärtete Fronten sorgen.
Dabei ist Reilly gebürtiger Brite. Allerdings arbeitet er seit mehr als 30 Jahren für General Motors. Hier verantwortet er nicht nur das internationale Geschäft, sondern ist als Vizepräsident des Gesamtkonzerns eine der Schlüsselfiguren.
Viele Stationen in Europa
Dennoch ist er alles andere als ein typischer US-Automanager. Der 59-Jährige studierte in Cambridge, seine Karriere begann er als Finanzanalyst. Doch dann warf er den Job hin. "Ich hatte das Gefühl, nur Geld aus der einen Tasche zu nehmen und es in eine andere zu stecken. Es schien nicht viel Nutzen zu haben", begründete er später in einem Interview seinen Ausstieg. Er habe damals neu darüber nachgedacht, was wichtig im Leben sei.
Danach startete er seine Karriere bei GM. Für den Konzern arbeitete er in Großbritannien, in Belgien, natürlich in den USA, in Mexiko und schließlich in Korea. Auch in der Europa-Zentrale in Zürich sammelte er bereits Erfahrung - unter anderem als Mitglied des europäischen Strategiegremiums.
Reichlich internationale Erfahrung und Übung im Umgang mit schwierigen Situationen brächte Reilly also mit, wenn er tatsächlich die Nachfolge von Carl-Peter Forster als Europa-Chef antreten sollte. Allerdings hätte die Sache wohl einen Haken. Denn der 59-Jährige wäre wohl nur eine Übergangslösung, heißt es in Unternehmenskreisen. Reilly werde von GM mittelfristig wieder in Shanghai gebraucht. Schließlich sei China für GM bis auf weiteres der Wachstumsmarkt Nummer eins.