Schmiergeldskandal Griechische Opposition fordert Details zu Rüstungsdeals
Auch sein Kauf wurde angeblich geschmiert: Deutscher "Leopard 2"-Panzer
Foto: Clemens Niesner/ DPAAthen - Nach der Veröffentlichung einer umfangreichen Liste mit angeblichen Schmiergeldzahlungen für Rüstungsgeschäfte fordert die griechische Opposition weitere Aufklärung. Sie will unter anderem Verteidigungsminister Dimitris Avramopoulos im Parlament zur heutigen Beschaffungspraxis befragen. Zudem werden sich bis zu 17 Unternehmer und Politiker vor dem Staatsanwalt äußern müssen. Ihre Namen hatte bei Vernehmungen der frühere Leiter des Direktorats für Rüstungsbeschaffungen im Verteidigungsministerium, Antonios K., genannt.
K. war Mitte Dezember verhaftet worden und hat gegenüber Ermittlern offenbar ein umfassendes Geständnis abgelegt. Eine Kopie der kompletten Aussage wurde von der Athener Zeitung "To Vima" ins Internet gestellt. Demnach erhielt K. zwischen 1997 bis 2002 im Gegenzug für Rüstungsdeals ungefähr acht Millionen Euro an Schmiergeldern, davon seien rund 3,2 Millionen Euro aus Deutschland gekommen. Seit 1989 will K. sogar 15 Millionen Euro kassiert haben.
Laut K. ging es unter anderem um Geschäfte mit den deutschen Firmen Krauss-Maffei Wegmann, Rheinmetall und Atlas. Diese haben die Vorwürfe zurückgewiesen oder waren für Stellungnahmen bislang nicht erreichbar.
Den ersten Verdächtigen hat die Staatsanwaltschaft bereits für den 2. Januar vorgeladen. Nach Medieninformationen handelt es sich dabei um einen Repräsentanten von Rheinmetall und Atlas in Athen, dessen Büros im August auf Antrag der Bremer Staatsanwaltschaft durchsucht worden waren. Diese ermittelt in derselben Angelegenheit.
Neben dem früheren Verteidigungsminister Akis Tsochatzopoulos, der bereits wegen passiver Bestechung und Geldwäsche zu 20 Jahren Haft verurteilt wurde, benannte K. in seiner Aussage auch dessen Nachfolger Jannos Papantoniou als möglichen Schmiergeldempfänger im Zusammenhang mit dem Panzerdeal. Der Filz bei Rüstungsbeschaffungen sei parteiübergreifend gewesen, sagte er.
In Griechenland kommen im Zuge der Krise immer wieder Korruptionsskandale ans Licht. In diesen Tagen steht der Direktor eines Athener Kinderkrankenhauses im Rampenlicht. Der frühere Funktionär der regierenden Konservativen wurde in der vergangenen Woche festgenommen, als er 25.000 Euro entgegennahm, die er von einer Firma für einen Auftrag erpressen wollte.