Sportartikelkonzern Hoeneß-Affäre sorgt Adidas-Kontrolleure
Hoeneß (l.), Hainer (Archivbild): Lohnender Einstieg
Foto: Marc Müller/ dpaMünchen - Die Steueraffäre um FC-Bayern-Präsident Uli Hoeneß dürfte nach SPIEGEL-Informationen auch auf der Hauptversammlung des Sportartikelherstellers Adidas am kommenden Mittwoch eine wichtige Rolle spielen. Einen Vorgeschmack bekam Firmenchef Herbert Hainer schon bei der Aufsichtsratssitzung am vergangenen Donnerstag.
Besorgte Kontrolleure wollten wissen, ob es eine Verbindung gibt zwischen dem Einstieg des Sportausrüsters bei dem Fußballclub vor mehr als zehn Jahren und einem Millionenkredit des inzwischen verstorbenen Ex-Adidas-Chefs Robert Louis-Dreyfus an Hoeneß, der das Geld zum Zocken nutzte. Adidas-Chef Hainer bestritt einen Zusammenhang und argumentierte, der Schweizer Dreyfus sei schon längere Zeit zuvor operativ nicht mehr tätig gewesen.
Trotzdem wurden auch die Details des Deals noch einmal diskutiert. Der Sportartikelriese aus Herzogenaurach zahlte für zehn Prozent der Anteile am FC Bayern im Juli 2002 stolze 77 Millionen Euro. Basis war der damalige Wert des Clubs, der mit 767 Millionen Euro angesetzt wurde. Den Betrag hatte die Investmentbank Merrill Lynch ermittelt, unter anderem durch einen Vergleich mit Manchester United.
Zufällig deckte er sich mit der Summe, die auch Hoeneß wiederholt als Marktwert genannt hatte. Weil der Kaufpreis damals als zu hoch eingeschätzt wurde, stürzte der Kurs der Adidas-Aktie nach Ankündigung des Geschäfts zeitweise um knapp neun Prozent ab. Aus heutiger Sicht hat sich der Einstieg gelohnt. Der Wert des Clubs liegt heute bei etwa einer Milliarde Euro und dürfte nach einem Sieg in der Champions League weiter steigen.
Hainer hatte Zusammenhänge zwischen dem Konzern und der Affäre bereits am Freitag zurückgewiesen. "Wir haben das natürlich intern bei uns untersucht", hatte der Adidas-Chef erklärt - und hinzugefügt: "Wir sind da absolut sauber."
Ende April wurde bekannt, dass die Staatsanwaltschaft München gegen Hoeneß wegen des Verdachts auf Steuerhinterziehung ermittelt. Der Bayern-Präsident hatte im Januar eine Selbstanzeige beim Finanzamt eingereicht. Der 61-Jährige soll Kapitalerträge aus seinen Investments verheimlicht haben.
Anmerkung der Redaktion: In einer vorigen Version dieses Textes haben wir den angesetzten Marktwert des FC Bayern München für 2002 irrtümlich mit 767 Milliarden Euro angegeben, richtig sind 767 Millionen. Heute liegt der Gesamtwert bei etwa einer Milliarde Euro. Wir haben den Fehler korrigiert und bitten, diesen zu entschuldigen.