Interim-Manager: Reingehen, retten, rausgehen - DER SPIEGEL
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Interim-Manager Reingehen, retten, rausgehen

Interim-Manager sind Führungskräfte auf Zeit. Sie prüfen, analysieren, räumen auf. Dann gehen sie wieder. Der Ausnahmejob ist anspruchsvoll, belastend - und wird extrem gut bezahlt.
Von Marike Frick
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Hamburg - Wenn Christoph Hippe Feuerwehr spielt, dann sieht das so aus: Er kommt morgens in ein Büro, das nicht seines ist, redet mit Mitarbeitern, die er bislang nicht kannte und schaut sich Produktionszahlen an, die völlig neu für ihn sind.

Hippe ist Interim-Manager. Das bedeutet, dass er einspringt, wenn es in einem Unternehmen brennt. Wenn Umstrukturierungen anstehen, aber niemand sich damit auskennt. Wenn eine plötzlich frei gewordene Führungsstelle schnell besetzt werden muss. Wenn Teile der Produktion in ein anderes Land verlegt werden sollen.

Christoph Hippe kommt dann ein paar Monate in den Betrieb und erledigt den Job. Weil er Erfahrung darin hat, sich schnell einzuarbeiten, Menschen anzuleiten, Prozesse zu optimieren. Hippe ist eine Führungskraft zum Ausleihen.

Etwa 4800 professionelle Interim-Manager gibt es in Deutschland laut Schätzung der Dachgesellschaft Deutsches Interim-Management. 2009 betrug das Marktvolumen 750 Millionen Euro. Meist sind die Manager um die 50, meist sind sie männlich, und meist haben sie zuvor als Geschäftsführer oder Bereichsleiter gearbeitet.

"Ich darf immer wieder meine Kompetenzen beweisen"

"Interim-Manager verkaufen Erfahrung, und die muss man in ihrem Lebenslauf sehen können", sagt Jens Christophers von der Dachgesellschaft Deutsches Interim-Management. Er ist sicher: "Wer Prozesse optimieren kann, der kann das in jeder Branche, egal ob Maschinenbau oder Telekommunikation." Im Durchschnitt werden die Manager etwas mehr als sieben Monate für ein Projekt engagiert, dann endet ihr Vertrag, und sie müssen sich eine neue Aufgabe suchen.

Für Christoph Hippe übernimmt diese Suche die Agentur Bridge IMP. Dort kennt man seine Qualifikationen sehr genau - und so wird er nur für Projekte vorgeschlagen, zu denen sein Profil passt.

Derzeit leitet Hippe übergangsweise die Einkaufsleitung eines Geschäftsbereichs für einen großen Automobilzulieferer. Als er anfing, hat er sich erst einmal mit vielen unterhalten: mit der Geschäftsführung, Mitarbeitern, Entwicklern. Er hat gelernt, sich schnell einzuarbeiten. "Genau das reizt mich: Ich darf immer wieder meine Kompetenzen beweisen."

Unter der Woche wohnt er im Hotel in der Nähe von Köln, "weil ich mich nur auf meine Aufgabe konzentrieren und nicht in einer Wohnung aufräumen müssen möchte". Am Freitagabend fährt er dann heim nach Nürnberg.

Der Ruf der Aufräumer

Karrieregründen

Obwohl er mehr arbeite als früher, sei er ausgeglichener, sagt Hippe. "Ich verbringe meine Wochenenden gedankenfrei." Denn er kann sich aus der Unternehmenspolitik raushalten, muss sich nicht aus profilieren oder jahrelange Konflikte aushalten. Er muss nur seinen Job gut machen und kann dann gehen.

Weil dieser Job oft mit Veränderungen und manchmal auch mit Kündigungen verbunden ist, hängt den Interim-Managern der Ruf der Aufräumer an. "Dann heißt es, die machen die Drecksarbeit und schmeißen Leute raus", sagt Jens Christophers. "Dabei ist das nur ein kleiner Ausschnitt, die wirkliche Arbeit sieht anders aus." Christoph Hippe sagt sogar, viele Mitarbeiter seien froh, dass endlich jemand käme, der die Probleme der Abteilung löst. "Wir sind ja keine Rambos. Wir verschaffen uns objektiv ein Bild und ergreifen dann Maßnahmen."

Unternehmen zahlen Interim-Managern im Durchschnitt 1100 Euro pro Tag. Dafür, sagt Jens Christophers vom Dachverband, fielen keine Sozialabgaben an, kein bezahlter Urlaub, keine Kosten für Firmenwagen und Sekretärin - "und vor allem keine Entsorgungskosten wie eine Abfindung". Außerdem könne ein Interim-Manager innerhalb von zwei Wochen anfangen, bei einer regulären Führungskraft dauere das meist Monate.

Allerdings müssen Manager wie Christoph Hippe damit rechnen, dass sich nicht gleich das nächste Projekt anschließt. Hippe erholt sich in diesen freien Wochen beim Sport, in der Natur und mit seiner Familie. "Das brauche ich dann auch, genau wie meine Partnerin", erzählt er. "Denn eine Beziehung in der Woche nur über das Telefon zu führen, ist natürlich auf Dauer auch nicht so toll."

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