Müller-Brot Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Insolvenzverschleppung
Die Großbäckerei Müller-Brot: "Rettung ist möglich"
Foto: dapdLandshut - Müller-Brot steht im Verdacht, seine Insolvenz nicht rechtzeitig angemeldet zu haben. Die Staatsanwaltschaft Landshut hat deshalb jetzt Vorermittlungen gegen die Großbäckerei eingeleitet. Womöglich sei die Großbäckerei seit längerem überschuldet, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Ralph Reiter. Die Anklagebehörde beleuchte deshalb die Bilanzen des Unternehmens.
Geprüft wird zudem, ob Kautionen von Pächtern der Bäckereifilialen veruntreut worden seien. Die Gelder seien offensichtlich im laufenden Geschäftsbetrieb ausgegeben worden. Ob dies rechtmäßig gewesen sei, hänge von den Verträgen ab, sagte Reiter. Die Staatsanwaltschaft Landshut ermittelt schon seit Mitte 2011 gegen Müller-Brot wegen Verstoßes gegen das Lebensmittelgesetz.
Offenbar gibt es für die insolvente Großbäckerei aber dennoch Hoffnung: Banken stellen Müller-Brot Geld für wichtige Reinigungsarbeiten nach dem Hygieneskandal zur Verfügung. In Verhandlungen mit den Geldhäusern sei es gelungen, die Finanzierung der Reinigungs- und Wartungsarbeiten in der Fabrik im bayerischen Neufahrn zu sichern, teilte Insolvenzverwalter Hubert Ampferl mit. Der Neustart der Produktion bleibe das wichtigste Ziel. Dieser könnte nach Mitteilung Ampferls in etwa zwei Wochen gelingen.
Ampferl sagte: "Eine Rettung des Unternehmens ist nach wie vor möglich." Jetzt komme es darauf an, rasch das verlorengegangene Vertrauen bei den Kunden, Mitarbeitern und Pächtern zurückzugewinnen. "Nur wenn dies gelingt, hat das Unternehmen eine echte Chance auf einen Neuanfang."
Wegen verschmutzter Maschinen und Schädlingsbefall ruht die Produktion bei Müller-Brot seit Ende Januar. In den Backzutaten waren Mäusekot und Ungeziefer gefunden worden. In der vergangenen Woche meldete das Unternehmen Insolvenz an. Das Hygienekonzept für die Backfabrik in Neufahrn sei überarbeitet, das Budget für die Reinigung signifikant erhöht worden, sagte Ampferl. "Die Fertigung startet aber erst wieder, wenn die Hygiene ohne Wenn und Aber wiederhergestellt ist."
Den Angaben zufolge sind die Löhne und Gehälter der etwa 1250 Mitarbeiter über das Insolvenzgeld gesichert. Das trifft aber nicht auf die Pächter der Bäckereifilialen zu. Sie treffe die Pleite des Unternehmens "mit besonderer Härte", sagte Ampferl. Er wolle deshalb einen wesentlichen Teil eines Massekredits, den er zur Aufrechterhaltung des Betriebs beantragt habe, an die Pächter auszahlen.
Derzeit gibt es etwa 240 Bäckereifilialen von Müller-Brot. Etwa 80 von ihnen betreibt das Unternehmen noch selber, die anderen sind an Franchise-Nehmer verpachtet. Ampferl erklärte, sein Ziel sei es, das Filial- und Vertriebsnetz zu erhalten. Zurzeit würden die Filialen mit zugekauften Backwaren versorgt.
Noch in diesem Monat will der vorläufige Insolvenzverwalter Gespräche mit potenziellen Investoren führen. Zudem will er die Handelsketten kontaktieren, die sich von Müller-Brot abgewandt hatten. Wegen des Hygieneskandals hatten Lidl und Aldi der Großbäckerei den Rücken gekehrt. Am vergangenen Donnerstag hatte Müller-Brot Insolvenzantrag gestellt.