Opel-Mutterkonzern: GM-Chef Henderson startet Charmeoffensive - DER SPIEGEL
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Opel-Mutterkonzern GM-Chef Henderson startet Charmeoffensive

General Motors schlägt konziliante Töne an. Konzernchef Henderson will Opel mehr Eigenständigkeit zugestehen und das Vertrauen der Mitarbeiter zurückgewinnen. Das Bewerberprofil für den künftigen Chef der GM-Tochter steht auch: deutschsprachige Führungskraft mit Abenteuerlust.
GM-Chef Fritz Henderson: Die Suche nach einem Opel-Chef hat bereits begonnen
GM-Chef Fritz Henderson: Die Suche nach einem Opel-Chef hat bereits begonnen

GM-Chef Fritz Henderson: Die Suche nach einem Opel-Chef hat bereits begonnen

Foto: Paul Sancya/ AP
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Magna

Rüsselsheim/Berlin - Lernt General Motors (GM) tatsächlich aus Fehlern? Sicher ist das noch lange nicht, aber die Wahrscheinlichkeit ist am Dienstag gestiegen: Der US-Konzern will seiner Tochtergesellschaft Opel nach dem geplatzten Verkauf an offenbar mehr Eigenständigkeit zugestehen. Die Art, mit der in der Vergangenheit in Europa agiert worden sei, müsse überdacht werden, sagte der Vorstandsvorsitzende Fritz Henderson. Gleiches gelte auch für die USA. Allerdings will der Manager den deutschen Autobauer nicht ganz von der Leine lassen: "Das wird nicht bedeuten, dass Opel nicht mehr Teil von GM ist."

Die größere Unabhängigkeit von der Detroiter Zentrale - von Opel seit langem gewünscht - bedeutet nach Hendersons Worten aber auch, dass Opel und die Schwestermarke Vauxhall künftig für Entscheidungen stärker zur Verantwortung gezogen werden. Ob dies in der von der Arbeitnehmerseite geforderten Umgestaltung des Unternehmens in eine Aktiengesellschaft resultiert, ließ Henderson offen.

Ansatzpunkt für die dringend notwendige Restrukturierung ist laut Henderson der von Magna erarbeitete Plan, so dass man nicht am "Ground Zero" starten müsse. Dabei sieht er Eile geboten: Die Maßnahmen, die nötig seien, um Opel wieder erfolgreich zu machen, müssten nun schnell ergriffen werden.

Führungsperson mit Abenteuerlust gesucht

Was das für die Arbeitnehmer bedeutet, machte Henderson klar: Er bestätigte frühere Angaben, wonach bei GM in Europa rund 10.000 Stellen zur Disposition stünden. Details zu den Restrukturierungsplänen nannte der Manager allerdings nicht und verwies darauf, dass darüber derzeit mit den europäischen Arbeitnehmern verhandelt werde. "Solche Sachen sollten am Verhandlungstisch geklärt werden". Schließlich sei es eine der vorrangigen Aufgaben, das Vertrauen der Mitarbeiter zurückzuerlangen.

Nick Reilly

Eines steht immerhin fest: An der Opel-Spitze wird es eine Übergangslösung geben. Die Sanierungsaufgabe wird zunächst übernehmen, der bislang für das internationale Geschäft von GM verantwortlich ist. Der Manager gilt als knallharter Sanierer, weil er unter anderem die koreanische GM-Tochter Daewoo auf neue Beine stellte und bei Vauxhall in Großbritannien die Schließung des Werkes am Stammsitz Luton durchsetzte. Reilly erklärte, seine vorrangige Aufgabe sei es nun, einen Restrukturierungsplan zu erarbeiten und das Tagesgeschäft am Laufen zu halten.

Reilly sei der "richtige Mann", erklärte Henderson. Allerdings habe GM bereits damit begonnen, außerhalb des Konzerns nach einer dauerhaften Lösung für den Opel-Chefposten zu suchen. Zum Zeithorizont erklärte er: "Das ist eher eine Frage von Monaten als von Wochen." Wichtig sei es, eine starke Führungsperson zu finden, die nicht nur die industrielle Expertise für diesen Posten habe, sondern auch eine Portion "Abenteuerlust" mitbringe und deutschsprachig sei.

Wirtschaftsforscher kritisieren mögliche Staatshilfe

Mehr Unabhängigkeit, ein neues Konzept, erfahrene Manager - das allein wird Opel nicht helfen. Deshalb bekräftige Henderson, dass rund drei Milliarden Euro eingesetzt werden müssten, um das Traditionsunternehmen zu sanieren. Woher das nötige Geld komme, sei in den Gesprächen mit Arbeitnehmern und europäischen Regierungen zu klären. Der Teil der noch ausstehenden deutschen Brückenfinanzierung in Höhe von 600 Millionen Euro, den GM bis Ende des Monats zurückzahlen muss, soll aus den USA kommen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) dämpfte in ihrer Regierungserklärung jedoch die Hoffnung auf allzu üppige Staatshilfen. GM müsse den Hauptanteil des Umbaus von Opel mit eigenen Mitteln bestreiten und sich bei seinen Sanierungsplänen um europäische Standorte ebenso kümmern wie um amerikanische. Opel-Betriebsratschef Klaus Franz hatte die Befürchtung geäußert, dass deutsche Werke übermäßig von der Sanierung Opels betroffen sein könnten.

Wie hitzig die Debatte um mögliche Staatshilfen noch werden dürfte, deutete sich am Dienstag bereits an: Die führenden deutschen Wirtschaftsforschungsinstitute übten in einer Befragung durch das ARD-Magazin "Plusminus" scharfe Kritik. Der Chef des Münchner ifo-Instituts, Hans-Werner Sinn, sagte im Hinblick auf die Höhe der möglichen Staatsspritze: "120.000 Euro pro Opel-Arbeitsplatz sind drei Milliarden Euro. Dafür kann man die Firma auf der grünen Wiese neu erstellen."

böl/Dow Jones/AFP