S21: Stress mit dem Test - DER SPIEGEL
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S21 Stress mit dem Test

Diesem Ergebnis fiebern Gegner und Befürworter von Stuttgart 21 entgegen. Jetzt heißt es, die Bahn habe den Stresstest für das umstrittene Bahnhofsprojekt bestanden. Der grüne Verkehrsminister Hermann ist verärgert - und wirft dem Konzern gezielte Manipulation der Nachrichten vor.
Anti-S-21-Demo vor dem Berliner Hauptbahnhof (Archiv): Trickserei der Bahn?
Anti-S-21-Demo vor dem Berliner Hauptbahnhof (Archiv): Trickserei der Bahn?

Anti-S-21-Demo vor dem Berliner Hauptbahnhof (Archiv): Trickserei der Bahn?

Foto: Marius Becker/ dpa
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Berlin/Stuttgart - Kann Stuttgart 21 in der Spitzenzeit 30 Prozent mehr leisten als der heutige Bahnhof der baden-württembergischen Landeshauptstadt? Diese Frage treibt seit Wochen Gegner und Befürworter des umstrittenen Projekts um, als ginge es um Leben und Tod. Ein sogenannter Stresstest sollte die Antwort geben - und die soll jetzt nach Angaben aus dem Umfeld der Deutschen Bahn positiv ausgefallen sein: Die Simulation habe ergeben, dass der geplante unterirdische Bahnhof ohne teure Erweiterungen in der Spitzenzeit 30 Prozent mehr leisten könne als der jetzige Kopfbahnhof, hieß es. "Der Meldung fügen wir nichts hinzu", sagte ein Sprecher der Bahn auf SPIEGEL-ONLINE-Anfrage. Einen weitergehenden Kommentar lehnte er ab.

Den Angaben aus dem Konzernumfeld zufolge ist der von Schlichter Heiner Geißler angeregte Ausbau des Bahnhofs um zwei Gleise unnötig. Nur der Anschluss zum Flughafen muss demnach zweigleisig werden. Überdies soll der Bahnknoten neben der neuen Signaltechnik ETCS auch weiter die konventionelle Technik vorhalten. Beides zusammen treibt die Kosten laut Bahn um zusätzlich 40 Millionen Euro in die Höhe. Für das Gesamtprojekt werden offiziell 4,1 Milliarden Euro veranschlagt. Gegner des Projekts rechnen mit deutlich mehr als fünf Milliarden.

Nach ursprünglicher Planung sollte das Ergebnis erst am 11. Juli zunächst der Stuttgarter Landesregierung und am 14. Juli in einer großangelegten öffentlichen Veranstaltung unter Leitung Geißlers bekanntgemacht werden. Bis dahin muss die Simulation noch von einem unabhängigen Gutachter, der Schweizer SMA, geprüft werden. Unmittelbar danach will die Bahn AG erste Aufträge zum Weiterbau vergeben. Für den Herbst ist zudem eine Volksabstimmung geplant. Der neue Bahnhof soll im Dezember 2019 in Betrieb gehen.

"Der Konzern macht sich unglaubwürdig"

Der baden-württembergische Verkehrsministers Winfried Hermann (Grüne) warf der Bahn vor, gezielt Stresstest-Ergebnisse zu streuen, um das Projekt durchzuboxen. Damit mache sich der Konzern unglaubwürdig. Schlichter Geißler habe die Bahn damals darum gebeten, das Ergebnis so früh wie möglich an die anderen Projektpartner weiterzureichen. Die Bahn habe dies aber aus zeitlichen Gründen zurückgewiesen, sagte sein Sprecher.

Tags zuvor hatte die "Berliner Zeitung" schon unter Berufung auf den Verkehrsminister gemeldet, dass die Bahn den Stresstest bestanden habe. Hermanns Sprecher widersprach: "Uns liegen keinerlei Daten vor."

Der Minister sagte am Sonntag: "Ob der geplante Tiefbahnhof den Stresstest tatsächlich besteht, kann man aber erst sagen, wenn die Bewertung der Schweizer Gutachterfirma SMA vorliegt." Die CDU-Opposition im Landtag warf ihrerseits Hermann Unglaubwürdigkeit und negative Stimmungsmache vor. Er versuche mit allen Mitteln, die Legitimität des Stresstests auszuhöhlen.

Kritiker werfen dem Konzern mangelnde Transparenz vor

Härter als der Verkehrsminister kritisierten Gegner des Projekts das verlautbarte Ergebnis: Es stelle sich die Frage, "ob die Bahn nicht massiv trickst", sagte der Sprecher der Initiative "Parkschützer", Matthias von Herrmann. Die Realität deutscher Bahnhöfe widerspreche dem, was die Bahn in Stuttgart verspreche. Es wäre ein "technisches Wunder" nötig, um die Vorgaben des Stresstests zu erfüllen. Er warf der Bahn zudem mangelnde Transparenz vor. Die Stuttgart-21-Gegner hätten gefordert, in den Stresstest eingebunden zu werden. Die Bahn habe jedoch weder unabhängige Gutachter zugelassen noch das Verfahren selbst transparent gestaltet. Der Konzern müsse nun sämtliche Fakten zum Stresstest auf den Tisch legen und auch die Rohdaten veröffentlichen, die zu dem Ergebnis geführt hätten. Andernfalls werde der Volkszorn weiter geschürt.

yes/dapd