Sachsen-Anhalt: Ärger über Geschäfte mit großen Agrarflächen durch australischen Investor - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Landwirtschaft in Ostdeutschland Ärger über Geschäfte mit großen Agrarflächen durch australischen Investor

In Ostdeutschland kritisieren Bauern und Linke den Einstieg eines australischen Investors in den Agrarsektor. Die Landesregierung in Magdeburg sieht dagegen kein Problem.
Agrarfläche in Sachsen-Anhalt (Symbolbild): »Das ist Landgrabbing auf Raten«
Agrarfläche in Sachsen-Anhalt (Symbolbild): »Das ist Landgrabbing auf Raten«

Agrarfläche in Sachsen-Anhalt (Symbolbild): »Das ist Landgrabbing auf Raten«

Foto: Jan Woitas / dpa

Wer dachte, die Spekulationen mit großen Agrarflächen in Ostdeutschland seien ausschließlich ein Thema der Neunzigerjahre, der irrt. Heute geht es nicht mehr um früheren DDR-Staatsbesitz, der verscherbelt wird, doch die Übernahme großer Flächen sorgt wie damals für Protest.

In Sachsen-Anhalt macht sich aktuell ein australischer Investor im Agrarsektor breit. Der Fonds Igneo Infrastructure Partners hat die Deutsche Agrar Holding (DAH) übernommen. Der Investor kontrolliert durch die Übernahme mehr als 20.000 Hektar Fläche – allerdings befristet. Die DAH teilt mit, das Land selbst gehöre weiterhin privaten Verpächtern aus umliegenden Dörfern und kleinen Städten.

Ministerium: Keine Konzentration von Agrarflächen

Der Einstieg des australischen Investors stößt unter anderem bei der Linken in Sachsen-Anhalt dennoch auf Kritik. Sie sieht Gefahren und Auswirkungen für den Agrarsektor in Ostdeutschland. Große Kapitalfonds verschafften sich dadurch Zugriff auf Flächen, kritisierte die Linksfraktion im Landtag. »Das ist Landgrabbing auf Raten«, heißt es in einer Mitteilung.

Auch die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft hat die Übernahme durch den Investor bereits kritisiert. Der Verein der kleineren und mittelgroßen Landwirte sprach unter anderem von einem Ausverkauf von kritischer Landwirtschafts- und Energie-Infrastruktur, sie fürchten die Konkurrenz.

Das CDU-geführte Magdeburger Landwirtschaftsministerium sieht dagegen keine Auswirkungen auf die Agrarstruktur in Sachsen-Anhalt, wie es in einer Antwort des Ministeriums auf eine Kleine Anfrage der Linken heißt. Es sei zu keiner Konzentration von Agrarflächen gekommen. Die Linke kritisiert diese Einschätzung. Es gehe um Risiken wie Landkonzentration, Machtverschiebungen am Bodenmarkt und den möglichen Abfluss von Gewinnen ins Ausland.

Die DAH Gruppe ist ein Agrar- und Energieunternehmen mit Sitz im brandenburgischen Oranienburg und gehört zu den größeren Agrarbetrieben in Deutschland. Die Übernahme durch den Investor wurde laut DAH bereits im November 2023 bekannt gegeben. Die Gruppe teilt mit , dass durch die Übernahme die bestehenden Pachtverhältnisse nicht beeinträchtigt würden.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Fassung hieß es, es finde ein Ausverkauf der Agrarflächen statt. Das ist falsch. Tatsächlich sind die Flächen nur verpachtet, das Land selbst wechselt nicht den Eigentümer. Wir haben die Meldung deshalb überarbeitet.

apr/dpa