US-Trend Dashboard Dining: Essen auf Rädern - DER SPIEGEL
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US-Trend Dashboard Dining Essen auf Rädern

Eine wachsende Zahl von Amerikanern isst ihre Mahlzeiten im eigenen Auto. Joghurt in der Tube, Suppe aus der Bierdose - mit Kfz-tauglichen Fast-Food-Produkten hat sich die US-Lebensmittelindustrie auf den unappetitlichen Trend eingestellt.
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Concord/New Hampshire - Amerikas Autohersteller wissen, wo ihre Kundschaft am liebsten isst. In den vergangenen zehn Jahren ist bei Minivans und Geländewagen (SUVs) die Zahl der Dosen- und Tassenhalter von zwei auf bis zu zwölf gestiegen. Einige der Haltevorrichtungen sind sogar rechteckig - damit auch Getränkekartons oder Blechnäpfe hineinpassen.

"Dashboard dining" - etwa: Essen auf dem Armaturenbrett - erobert die Autos gestresster US-Pendler. Besteck gilt vielen ohnehin als überflüssig. Die Amerikaner wollen ihr Essen schnell, leicht verfügbar und zunehmend auf der Straße, erläutert Kara Romanow, Marktforscherin bei AMR Research in Boston.

Entsprechend werden beispielsweise Kekse in der Dose angeboten, die genau in den Halter im Auto passen. Die Firma Stonyfield Farm brachte mit "Squeezers" ein Joghurt aus der Tube auf den Markt - Kleckern unmöglich. Das Unternehmen aus New Hampshire brauchte über ein Jahr, um seine bestehende Joghurt-Rezeptur an das Zahnpasta-Format anzupassen. Die Entwicklungskosten seien enorm gewesen, sagt der Gründer des Unternehmens, Gary Hirshberg.

Tod der Esskultur

Campbell bietet die Suppenmarke "heat-and-sip" an, deren Verpackung wie eine Getränkedose aussieht: Die Suppe wird Zuhause in der Mikrowelle vorgewärmt und im Auto geschlürft. Eine andere Produktlinie namens "Soup at Hand" bietet 13 Variationen - mit kürzeren Nudeln und kleineren Hähnchenteilen, die die kleinen Trinköffnung nicht verstopfen. Die Suppen haben Campbell im vergangenen Jahr einen Umsatz von 250 Millionen Dollar eingebracht. Das neue Produkt lasse sich zu mehr verschiedenen Gelegenheiten essen - das steigere den Absatz, sagt John Lord, Leiter der Abteilung für Lebensmittel-Vermarktung an der St. Joseph-Universität in Philadelphia.

Zwar garantieren praktische Überlegungen nicht immer den Erfolg, in den USA verkauft sich beispielsweise haltbare Milch anders als in Europa nicht. Doch viele Amerikaner sind bereit, für Fertigessen mehr Geld auf den Tisch zu legen: Eine Dose Tomatencremesuppe aus der Reihe "Soup at Hand" kostet 1,50 Dollar und enthält nur eine Portion. Eine Dose herkömmlicher Suppe von Campbell kostet hingegen nur 50 Cent und enthält zweieinhalb Portionen.

Die Zeitersparnis sei eben genauso ein Schnäppchen wie ein günstiger Preis, kommentiert der in der Lebensmittelverpackungs-Branche tätige Unternehmensberater Aaron Brody. Zwar koste eine herkömmliche Dose weniger. Doch Brody fragt: "Was wollen Sie mit ihr anfangen, während Sie auf der Interstate 93 fahren? Haben Sie einen Dosenöffner dabei? Oder eine Mikrowelle?"

J.M. Hirsch, AP