Verschwundene Milliarden Parmalat pleite
Rom - Trotzdem erlaubt der Insolvenzstatus Parmalat, aktuelle Rechnungen zu begleichen, statt nur noch die in den vergangenen Jahren aufgehäuften Schulden abzuzahlen. Das Unternehmen bleibt (noch ein wenig) handlungsfähig.
Die italienische Regierung hat dem Großkonzern bereits Unterstützung zugesichert und den Anfang des Monats angetretenen Vorstandsvorsitzenden Enrico Bondi mit der Erarbeitung eines Sanierungskonzepts beauftragt. Bondi hatte nach der Übernahme der Unternehmensführung von Firmengründer Calisto Tanzi ein Bilanzdefizit von 3,95 Milliarden Euro aufgedeckt. Angaben Parmalats vom September, wonach ein Guthaben in dieser Höhe bei der Bank of America Corp. hinterlegt sei, seien falsch, räumte Bondi vor einer Woche auf Druck der Bank ein.
Seither ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen Tanzi und 19 weitere Parmalat-Manager wegen Verdachts auf Bilanzfälschung. Medienberichten zufolge wurden in den Bilanzen insgesamt zehn Milliarden Euro mehr angegeben, als das Unternehmen tatsächlich besitzt.
Tanzi hielt sich weiterhin im Ausland auf. Er wolle jedoch in der kommenden Woche aus seinem derzeitigen Aufenthaltsort in Spanien nach Italien zurückkehren, um den Ermittlern zum Finanzdebakel Auskunft zu geben, hieß es. Experten sprechen von einem der größten Finanzskandale in der europäischen Unternehmensgeschichte. Insgesamt beschäftigt Parmalat weltweit rund 36.000 Menschen in 30 Ländern.