Volkswagen: Milliardenschwere Blankoschecks - DER SPIEGEL
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Volkswagen Milliardenschwere Blankoschecks

Auf der Hauptversammlung will VW-Chef Ferndinand Piëch Munition für Übernahmen einsammeln. Wofür er sie braucht, lässt er allerdings offen.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Hamburg - Die VW-Konzernspitze will sich von den Aktionären die Option auf eine Kapitalerhöhung und einen Aktienrückkauf absegnen lassen. Rund zehn Prozent der eigenen Aktien will das Unternehmen wieder unter eigene Kontrolle bringen, was bei Stammaktien rund 2,2 Milliarden Euro kosten würde. Mit der geplanten Kapitalerhöhung um 130 Millionen Euro hätte Piëch weitere 1,5 Milliarden Euro in der Hand.

In der Regel deuten solche Maßnahmen auf geplante Übernahmen hin, bei VW ist aber bisher unklar, wofür diese milliardenschweren Blankoschecks verwendet werden sollen.

Finanzvorstand Bruno Adelt ließ immerhin wissen, dass VW an weiteren Anteilen des skandinavischen Lkw-Herstellers Scania interessiert ist. Nur sei "alles, was wir bisher gesehen haben, zu teuer" gewesen.

Ein weiterer Grund könnte die Angst vor einer Übernahme sein: Mit rund 20 Milliarden Euro ist der Börsenwert anhaltend niedrig. Analystin Pia-Christina Schulze von Merck Finck & Co glaubt derzeit aber nicht daran, dass Volkswagen tatsächlich übernommen werden könnte. Die breite Modellpalette der Wolfsburger würde Interessenten eher abschrecken. Außerdem stünden die europäischen Kartellbehörden einem Zusammenschluss mit Ford oder General Motors sehr reserviert gegenüber. Der Marktanteil in Europa wäre hier einfach zu hoch.

In Gedanken spielte die Konzernspitze gar den Börsengang der Tochter Audi oder der Finanzdienstleister durch. Das Unternehmen müsse künftig auch ohne "das umstrittene VW-Gesetz und die schützende Hand des Landes Niedersachsen gegen eine feindliche Übernahme gewappnet sein. Finanzvorstand Adelt spricht in diesem Zusammenhang gerne von "Wertsteigerung" als Schutz. Im übrigen seien Kapitalerhöhung und Aktienrückkauf "reine Vorratsbeschlüsse", um "flexibel" reagieren zu könne.

Analyst Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler hält eine Übernahme durchaus für möglich. Seiner Ansicht nach ist "die Gefahr real". Für Konzerne wie Ford oder Toyota wäre das finanziell durchaus machbar. Vor allem bei der amerikanischen General Motors vermutet Pieper ein starkes Übernahmeinteresse. Mit Opel habe sich der Konzern einen Verlustbringer eingehandelt und der Einstieg bei Fiat sei auch eher nur eine Verlegenheitslösung gewesen.

Von der VW-Konzernspitze ist dazu nichts zu hören. Es halten sich aber Spekulationen, dass VW gegen eine Übernahme gut gewappnet ist: Knapp zwanzig Prozent hält das Land Niedersachsen, zehn Prozent liegen im Keller des Konzerns, und mit weiteren zehn Prozent hinzugekauften und bei "Freunden" geparkten Aktien entstünde eine widerstandsfähige Wolfsburger Wand.

Einen Strich durch die Rechnung könnte dem VW-Vorstand allerdings ein Gegenantrag machen. Die Liverpool Limited Partnership, Deutsche-Bank-Fondsgesellschaft DWS und Union Investment wollen erreichen, dass Vorzugsaktien statt Stammaktien zurückgekauft werden. Das käme den Konzern billiger: Statt der 2,2 Milliarden Euro für Stämme würde dies nur 1,4 Milliarden Euro kosten. Die stimmrechtslosen Vorzüge hätten allerdings den Nachteil, dass sie VW nicht gegen eine Übernahme absichern würden.

Ein Thema wird nach Ansicht von Analyst Pieper nicht angesprochen werden: Über die Nachfolge von Konzernchef Ferdinand Piëch - Berd Pischetsrieder gilt als heißer Kandidat - soll erst im November geredet werden. Für den Experten ist das aber schon "relativ spät - jetzt wäre der richtige Zeitpunkt gewesen".